Der perfekte Beifahrer
Mit 18 kam die Frage: Ziehe ich mit ihr zusammen, oder mache ich meinen Führerschein? Ich folgte der Liebe. Selbstverständlich. Was sollte ich auch mit einem Auto, das ich mir eh nicht leisten konnte? Ich war doch der perfekte Beifahrer.
Die Beziehung zerbrach, der Wunsch nach motorisierter Selbstbestimmung blieb. Ein Jahr später knarzte ich mit einer Hercules Prima GT, 86er BJ, durch die Gegend. Das Mofa gab mir einen Vorgeschmack, was es heißen könnte, mich in einem Umkreis von mehr als 20 Kilometern autonom bewegen zu können. Mit meinem Volontariat in Baden Württemberg kam der Führerschein, kam das Auto, kam die Freiheit. Ich liebte es stundenlang allein die Autobahnen zum Ruhrpott und zurück zu fahren. Die Klassik- und Jazz-Sender im Radio lösten die Hippies auf ihren Kassetten ab, und das frühere Gefühl von Abenteuer wurde von einer tiefen inneren Ruhe durchzogen.
Die Fahrt und das gleichmäßige Brummen des Motors, diese abgeschlossene Welt bekamen etwas Meditatives. Was ein Kapitän auf seiner Brücke inmitten des Atlantik empfinden muss, wenn eine Autobahn schon derartige Gefühle bei mir auslöst, wage ich mir gar nicht vorzustellen. Das Prinzip ist Freiheit!
Wo bleibt die Romantik?
Käpt’n Charly erzählte mir mal, dass die Computer und Container der Seefahrt die Romantik genommen hätten. Heutzutage geht viel Gefühl durch Technik verloren – ob nun auf See oder auf der Straße. Stotterte unser Käfer, zogen wir das „So wird’s gemacht“-VW-Käfer-Reparaturbuch aus dem Handschuhfach, fummelten an der Lichtmaschine und tuckerten weiter. Heute muss man erst den Laptop an den Motor schließen, um zu sehen, wo das Problem liegt. Die Autos sind uns fremd geworden. Zugegeben: Ich konnte noch keine Beziehung zu einer dieser durchgetunten Hightech-Prinzessinnen aufbauen, trotzdem denke ich: Autos müssen knattern, kantig sein und einfach. Es ist ein Gefühl. Youngtimer, zum Beispiel, tragen den Charme und die Seele einer vergangenen Zeit auf die Straße. Ein alter Opel Kadett wäre jetzt schick oder vielleicht sogar ein Audi 80 mit knallroter Motorhaube. Mittlerweile verdammt cool.
Bastian Schlange, 30, ist Journalist und Autor. Geboren in Wattenscheid, lebt er mittlerweile am Dortmunder Hafen. Ein Zechenkind mit Ankerherz
Hier geht es zu seinen letzten Kolumnen:
Folge 3: Moin-Sager
Folge 2: Facebook und das Meer
Folge 1: Der Schlange und das Meer

