Die toten Kinder und ein herzloser Storch

18 Aug 2016

Ein kleiner Junge, verstaubt, verletzt, mit einer blutenden Wunde am Kopf, sitzt auf einem Stuhl und starrt geradeaus. Dieses Foto geht gerade um die Welt, es ist ein Symbol des Krieges in Syrien. Omran Daqneesh heißt der Junge, fünf Jahre alt, man hat ihn aus den Trümmern eines Hauses gezogen, das von russischen Kampfjets bombardiert worden war. Eines von zwölf Kindern, die gerettet werden konnten.

Dieses Foto erinnert mich an das Bild von Alan Kurdi, dem Kleinkind vom Strand in Bodrum. Damals schrieb ich, dass ich mich schäme für die EU, für das Nichtstun. Nichts hat sich geändert, dieses Gefühl der Hilflosigkeit, das sich ein Völkermord in Aleppo ereignet, wir aber so tun, als gehe es uns nicht an.

Ich bin Vater von vier Kindern. Mich beschäftigt dieses Foto schon den ganzen Tag, ich ertrage es kaum, es bedrückt mich.

Die toten Kinder

Und dann schickt mir jemand den Twitter-Kommentar von Beatrix von Storch:

„Immer wenn uns von den Medien kleine Kinder gezeigt werden, sollten wir besonders wachsam sein.“

Empathielos, kaltherzig, von Storch

Ich frage mich, was in einer solchen Person vor sich geht, wie man so empathielos sein kann, so herzlos, so furchtbar kalt. „Lügenpresse“ zu suggerieren, den nächsten kalkulierten Skandal zu erzeugen. Schon klar, dass ich auch darauf hereinfalle, dass es so gewollt ist, zur Strategie gehört: Auf Flüchtlingskinder schießen, Muslime pauschal beschimpfen, Minderheiten entmenschlichen, Dinge, auf die sich eine bürgerliche Gesellschaft im Jahr 2016 geeinigt hatte, in Frage stellen. Nur kein Mitgefühl zulassen, Menschen aufwiegeln, Hass sähen.

Es ist ein Skandal, dass solch eine Person im Europa-Parlament sitzt, bezahlt durch Steuergelder, ungeeignet für diese Aufgabe auf so vielfache Hinsicht. Intellektuell, emotional ein Krüppel, ein hässlicher Storch.

Ich kann den Krieg in Aleppo nicht stoppen.

Aber ich kann einiges dafür tun, dass die AfD niemals über den Status einer Geschmacklosigkeit hinaus kommt.

Morgen früh fange ich damit an.

 

STEFAN KRUECKEN, JAHRGANG 1975, ARBEITETE ALS POLIZEIREPORTER FÜR DIE CHICAGO TRIBUNE UND BERICHTETE ALS REPORTER WELTWEIT FÜR MAGAZINE WIE MAX, STERN ODER GQ. ER LEITET MIT SEINER FRAU JULIA DEN VON IHNEN GEGRÜNDETEN ANKERHERZ VERLAG.

Von Stefan Kruecken

Stefan Krücken

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