HAIFISCH BAR Geschichten: Der Opernstar im Hai

19 Mrz 2017

Hinter dem Tresen der Haifisch Bar hängt eine gerahmte Galerie der Stars, die hier getrunken haben. Heidi Kabel, Götz George, Jan Feddersen, allesamt aus der Abteilung „schenk’ noch mal nach“. Dass Anna Nebtrebko oder Placido Domingo auf ein „Lütt un’ Lütt“ im Hai vorbei schauen, bleibt eher unwahrscheinlich. So gesehen war es eine Premiere vor der Premiere von „Tosca“ in der Staatsoper: Massimo Giordano, der Star-Tenor aus Italien, saß am Tresen im Hai.

„Si, no problem“, sagte er, als ihn fragte, ob er sich die Hafenbar anschauen wolle. Er bestellt Apfelschorle. „Muss nachher noch proben“, meint er. Wir lernten uns vor einigen Jahren in seiner Heimatstadt Neapel kennen und wurden Freunde. Öfters habe ich Massimo besucht, wenn er sang: In der Royal Opera von London, in der Wiener Staatsoper oder in der Dresdner Semperoper. Massimo gehört zu den fünf besten Tenören der Welt. Sein Leben: Auftritt in Seoul, Zwischenstopp in Beirut, Privatkonzert in Baden-Baden, im Privatjet weiter nach London.

Die Welt der Oper ist eine Welt der Roben, der Champagner-Empfänge, der feinen Gesellschaft. Sie ist, da stimmt jedes Klischee, auch eine Welt der Diven. In Wien wurde ich Zeuge, wie die rumänische Star-Sopranistin zehn Minuten vor dem ersten Vorhang eine fulminante Szene hinlegte, inklusive eines fliegenden Blumenbouquets, weil sie sich ungerecht behandelt fühlte. Warum, wurde nicht ganz klar, jedenfalls waren Gezeter und Klagen groß, bis sich alles zwei Minuten vor dem Auftritt in Wohlgefallen auflöste. Massimo, der „Maestro“, beobachtete alles mit einem Grinsen.

Massimo Giordano: der Maestro aus der Straßenbar

Er ist so etwas wie der Straßenköter auf den großen Bühnen. Aufgewachsen in einem düsteren Stadtteil von Pompeii bei Neapel, fiel sein Talent erst spät auf. Als er, der Sohn des Hausmeisters im Konservatorium, zur allgemeinen Belustigung auf Partys sang. Sein Talent und seine Disziplin brachten ihn von einer Straßenbar in Pompeii auf die Bühne der New Yorker MET. Kritiker verglichen ihn sogar mit dem legendären Tenor Caruso. Mit seiner Familie lebt er heute in einer Villa in Trient, einer Hafenstadt an der Adria.

„Eine Bar wie diese fehlt bei uns“, meint er, und lässt sich von Haifisch-Wirt Gert Schlufter die Geschichten im Hai erklären. Das Gemälde mit dem Schnitt, wo die Axt eines Fischers landete; der Wolpertinger aus Bayern, die Lampe der trinkfesten Trucker. Massimo lacht, Gert scherzt über seine Karaoke-Abende inklusive „Michaela“ von Bata Ilic. Am Abend schreibt der Bar-Chef eine Nachricht: „Habe selten einen so sympathischen Menschen getroffen. Feiner Kerl!“

Hamburg wird Massimo Giordano in der kommenden Woche kennenlernen. Die Premiere in der Staatsoper ist am Dienstagabend.

Wir erzählen jeden Samstag eine Geschichte aus der Haifisch Bar. Haben Sie auch eine für uns? Melden Sie sich: haifischbar@ankerherz.de 

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Von Stefan Kruecken

Stefan Krücken

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