KAPITÄN SCHMIDT: Das Gezwitscher eines Storchs

10 Jan 2017

Beatrix von Storch, einer der komischen Vögel in Reihen AfD, hat mich heute zum Schmunzeln gebracht. Sie hat es nicht so gemeint, das war klar, doch das Ergebnis war so erheiternd wie entlarvend. „Wenn Populismus für Anfänger“ schief geht, könnte man sagen. Wenn von Storch twittert, rutschen gern mal die Mäuse aus.

Zum Gedenken der Opfer des IS-Anschlags in Jerusalem war das Brandenburger Tor in den Farben Israels angestrahlt worden. Es dauerte keine Stunde, da meldete sich die aufrechte Vollpatriotin von Storch via Twitter zu Wort:

„Wann war noch mal die Gedenkanstrahlung in schwarz-rot-gold für die deutschen Terror-Opfer in der Bundeshauptstadt?“ Dazu schrieb die, ganz empört, das Wort WANN in Großbuchstaben, mit drei Fragezeichen und einem Ausrufezeichen.

Für unsere Terror-Opfer wird ja nichts getan! Nix!

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Ist ihr das hinterher peinlich?

Die drei Fragezeichen der Beatrix von Storch sorgten für prompte Reaktionen, doch anders, als sie das erwartet hatte. Die Antwort lautet nämlich ganz einfach: am Dienstag, den 20. Dezember. Das war der Tag, an dem das Brandenburger Tor zum Gedenken an die Opfer des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt in schwarz-rot-gold illuminiert wurde.

Ich vermag nicht zu sagen, ob es einer Person wie Frau von Storch hinterher peinlich ist. Vermutlich nicht. Dass ihr manchmal die Maus ausrutscht, ist ja bekannt. Noch schlimmer als sie finde ich den Parteikollegen Björn Höcke. Für mich ist er die Karikatur eines Rechtsextremen und es ist erstaunlich, dass es in unserem Land Menschen gibt, die Personen wie von Storch und ihn für eine Wahl in Betracht ziehen. Ich vermag auch nicht zu sagen, ob es den Leuten nach der Wahl peinlich ist. Vermutlich nicht, denn es soll wohl eine Haltung zum Ausdruck kommen. Ein Protest „gegen die da oben“. Ich habe mal ein passendes Beispiel gelesen: „Aus Protest AfD zu wählen ist so, als zünde man das eigene Auto an, wenn der Tank leer ist.“

Das Unwort des Jahres 2016 ist übrigens „Volksverräter“. Eine Vokabel, die auf den Seiten der AfD gerne und häufig verwendet wird. Spätestens dann ist es auch mit dem Schmunzeln vorbei.

 

(Redaktion: Stefan Kruecken)

KAPITÄN STEFAN SCHMIDT, Jahrgang 1942, fuhr viele Jahre zur See und war Leiter der Seefahrtsschule auf Tuvalu. 2004 rettete er Flüchtlinge aus dem Mittelmeer, wurde deshalb angeklagt und ging dafür fast in den Knast. Seit fünf Jahren ist er Zuwanderungsbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein. Er lebt in Lübeck. Im Ankerherz Blog und auf seiner Facebook-Seite berichtet er von seinem Leben und seiner Arbeit.

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Von Stefan Schmidt

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