KAPITÄN SCHWANDT: Die Krankheit von AfD-Höcke

03 Apr 2016

Nach diversen, immer seltsamer werdenden Auftritten mit Goebbelsschem Sportpalast-Tremolo, mit dem Ausbreiten einer kleinen Flagge in einer TV-Show oder dem Fabulieren über einen „afrikanischen Ausbreitungstypus“ hatte ich so etwas schon geahnt. Nun ist es offiziell: AfD-Politiker Bernd Höcke, der rechtsdrehende Seitenscheitel aus Thüringen, ist ganz offiziell krank im Kopf.
„Ich habe diese Krankheit. Sie ist chro – (ja?) – nisch“, ruft er in diesem Video, das nun auf youtube zu sehen ist. Er bekommt sich, überwältigt vom eigenen Pathos, kaum noch ein. Beinahe fürchtet man, er rutsche im Sog der eigenen Ergriffenheit von der Bühne. „Diese Krankheit, die euch bis zum Ende Eures Lebens nicht mehr loslässt, ist die reine, ist die ehrliche, ist die bescheidene – Vaterlandsliebe!“

Wenn ich mir dieses Video so ansehe, inklusive der rülpsenden Gröler, fallen mir noch ein paar andere Krankheiten ein, die Herrn Höcke befallen haben: Geltungsbedürfnis, übersteigertes Selbstwertgefühl, Flüchtlingsphobie. Die Computertomographie zeigt dort, wo bei anderen Menschen der Sitz des kognitiven Denkens verankert ist, nur einen großen, braunen, leeren Fleck. Offensichtlich ist diese Krankheit hoch ansteckend und hat das Potential einer Seuche, in besonders schweren Fällen wird aus ihr auch der Morbus Rassismus, unheilbar.

Die Krankheit von AfD-Höcke

Damit daraus nicht der „thüringische Ausbreitungstypus“ wird, sollten wir wachsam sein. Höcke träumt in den letzten Interviews davon, dass seine „Alternative“ bis zu 30 Prozent Stimmenanteil bei Bundestagswahlen erreichen könnte und “Kanzlerpartei” wird.
Beim einem Kolumnisten der Süddeutschen Zeitung, Axel Hacke, habe ich einen interessanten Gedanken gelesen. Hacke schrieb, wir sollten der AfD für die Ergebnisse der Landtagswahlen dankbar sein, vor allem in Sachsen-Anhalt. Nicht falsch verstehen: Er verachte diese Partei mit jeder Faser. Aber nach allen empirischen Untersuchungen seien knapp 20 Prozent der Bevölkerung offen empfänglich für rechtsextremistische Tendenzen. Und diese Gefahr schlummere nun nicht länger im Verborgenen, sondern sei offen erkennbar.
Ein guter Gedanke, aber tröstlich finde ich ihn deshalb nicht.

Jürgen Schwandt, Jahrgang 1936, wuchs in Sankt Georg auf. Er fuhr jahrzehntelang zur See und lebt heute in Hamburg. Gerade erschien seine hochgelobte Biographie „Sturmwarnung“. Sie kann HIER bestellt werden.

 

Von Käptn' Schwandt

Kapitän Schwandt

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