Lasst uns in Deutschland mehr Elbphilharmonie wagen!

11 Jan 2017

Wenn heute Abend die Hamburger Elbphilharmonie eröffnet, enden zehn Jahre Streit, Ärger, Diskussionen über verzögerte Bauphasen und überhöhte Kosten. Mancher witzelte, das Ding werde nie fertig gebaut. Einige mäkelten, es sei überflüssig. Viele motzten, es sei viel zu teuer.

Das mag alles sein, doch nun ist die Elbphilharmonie fertig – und selten hat ein Gebäude eine Stadt so beflügelt, wie es gerade in Hamburg geschieht. Aus einem Bauwerk, das ein Beispiel für Stillstand zu werden drohte wie der sogenannte „Berliner Flughafen“, ist ein Symbol für Aufbruch geworden. Der Gedanke, dass die „Elphi“ einmal etwas Ikonisches sein wird wie die Oper von Sydney, erscheint nicht abwegig.

elbphilharmonie-hamburg

Elbphilharmonie? Euphorie!

Medien aus aller Welt berichten euphorisiert über das “neue Wahrzeichen”, die „New York Times“ wählt Hamburg in die Liste der Orte, die man 2017 gesehen haben muss, und wie viele Millionen Touristen in den nächsten Jahren nicht nur, aber auch wegen der Elbphilharmonie in die Stadt kommen werden, vermag niemand vorherzusagen. Das Gebäude ist ein Versprechen für die Zukunft. 866 Millionen Euro hat es gekostet, und es ist jeden Cent Wert.

Wenn heute Abend die Elbphilharmonie eröffnet, wäre es schön, wenn alle Dauernögler und Bremser nachdenken. Es ist richtig, dass man sich Gedanken macht, in Frage stellt, kritisiert – aber passiert das bei uns nicht manchmal zu viel? Hamburg ist auch die Stadt, die in einem Volksentscheid Olympische Spiele abgelehnt hat.

Wie viel mehr wäre in Deutschland möglich, wenn wir mehr Mut hätten, neue Dinge und Ideen zu wagen? Wenn wir das Internet für alle und überall kostenlos machten, nur noch Fahrräder in den Innenstädten erlaubten und Autos verbannten. Wenn es in den Schulen nicht starr nach Noten, sondern um Bildung fürs Leben ginge. Wie wäre unser Alltag, wenn wir nicht so viel „German Angst“ mit uns herumtrügen, sondern mehr: „Wir schaffen das.“

Was wäre das für ein Land?

Heute Abend fahre ich in den Hafen und sehe mir die Lichtshow an. Es soll Sturm dazu geben, typisches Hamburger Wetter. Das passt doch zur Eröffnung.

 

STEFAN KRUECKEN, JAHRGANG 1975, LEITET MIT SEINER FRAU JULIA DEN VON IHNEN GEGRÜNDETEN ANKERHERZ VERLAG. VOR DER VERLAGSGRÜNDUNG BERICHTETE ER ALS REPORTER FÜR MAGAZINE WIE MAX, STERN ODER GQ WELTWEIT, VON HOOLIGANS IN SCHOTTLAND, KINDERSOLDATEN IN UGANDA ODER EXPEDITIONSREISEN NACH GRÖNLAND.

 

Von Stefan Kruecken

Stefan Krücken

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