UNSER KLEINER VERLAG: bloggende Spacken

13Nov2015

Diesen Text sollte ich nicht schreiben, das gleich vorweg. Weil man über gewissen Dingen steht, weil die Dusel im Internet nicht zu viel Beachtung verdienen, weil es so unlocker wirkt, in einer Zeit, in der es wichtig ist, wenig Angriffsfläche zu bieten. Das ist mir alles klar, doch manches muss einfach raus: zum Beispiel das Thema „Blogger“.

Es gibt ein neues Ranking der Verlage mit den meisten Facebook-Freunden, und Ankerherz steht auf Platz 4, vor den meisten Groß-Unternehmen. Soweit so fein, sollte man denken, aber nicht ein Blogger, der sich auf seinem Facebook-Profil gleich über uns lustig machte.

„Unpolitisch“ seien wir, „miefig“, würden in der Hauptsache Leuchtturm-Fotos verbreiten, und dann machte er sich über unsere „Kuschel-Kissen“ und unsere „Tassen“ lächerlich.

Keine Ahnung, aber davon reichlich

Es gibt Tage, an denen klickt man das weg. Es gibt aber auch Tage, an denen uns Rechtsextreme Droh-Botschaften mailen, weil ihnen zahlreiche Anti-Pegida Posts und Kolumnen missfallen. „Unpolitisch“ also – wenn sich der Blogger – dessen Namen ich nicht nennen möchte, um ihm keine Aufmerksamkeit zu schenken – nur zehn Sekunden mit unserer Seite auseinandergesetzt hätte, würde er solchen Quatsch nicht schreiben.

Alles, was er verbreitete, umwehte den Hauch der Nicht-Kenntnis, der Nicht-Beschäftigung, des soliden Nicht-Interesses. Ja, richtig, wir posten manchmal auch Leuchttürme, wenn sie einige unserer 50.000 Facebook-Freunde mailen, weil wir Leuchttürme schön finden. (Was zum Teufel kann man eigentlich an Leuchttürmen aussetzen?) Dass jemandem, der über Bücher bloggt, die simple Idee hochwertige Geschichten auf Kissen (den tollsten Kissen, übrigens, mussten wir machen) mit einem Kaffeebecher (Porzellan aus Thüringen) nicht aufgeht, ist mir ein Rätsel. Wir machen Sachen, die wir lieben. Den Kram von Random House via Amazon kaufen und dabei einen auf alternativ machen – bei uns in Hamburg nennt man solche Leute „Spacken.“

Keine Ahnung, aber große Fresse: Was mich daran ärgert, ist die Selbstverständlichkeit. Diese Haltung, dieses Hinrotzen im Vorbeigehen. Wer bloggt, sollte gewisse Mindestanforderungen beherzigen, journalistisch wie menschlich. Eine Meinung zu verbreiten, hat auch mit Verantwortung zu tun, nicht nur mit Pose. Diese Haltung trennt die guten „Blogger“ von der Abteilung Zeitverschwendung.

 

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Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, leitet mit seiner Frau Julia den von ihnen gegründeten Ankerherz Verlag. Vor dieser Zeit arbeitete er als Reporter für Magazine wie max, Stern und GQ und schrieb weltweit aus mehr als 80 Ländern Reportagen.

Von Stefan Kruecken

Stefan Krücken

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