Der 228 Meter lange Rohöltanker fährt unter der Flagge der Marshallinseln. Er wurde am Sonntag etwa 45 Seemeilen nordwestlich von Maskat von einem bislang nicht identifizierten Projektil getroffen. Durch die Explosion brach im Maschinenraum ein Brand aus, der nach Angaben von V.Ships unter Kontrolle gebracht werden konnte.
„Mit großer Trauer bestätigen wir, dass ein Besatzungsmitglied, das sich zum Zeitpunkt des Vorfalls im Maschinenraum befand, ums Leben gekommen ist“, heißt es in einem Statement des Schiffsmanagement-Dienstleisters V.Ships.
Iran bedroht internationale Seefahrt
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, sie hätten insgesamt drei Tanker aus den USA und Großbritannien im Persischen Golf und in der Straße von Hormus mit Raketen getroffen. Die britische Seehandelsaufsicht United Kingdom Maritime Trade Operations (UKMTO) meldete bislang zwei bestätigte Angriffe sowie eine „verdächtige Aktivität“ in der Region.
Bereits zuvor war in der Straße von Hormus ein weiterer Öltanker vor der Küste Omans angegriffen worden. Dabei wurden nach Angaben der Behörden des Sultanats vier Seeleute verletzt. Die 20-köpfige Besatzung des unter der Flagge von Palau fahrenden Tankers konnte in Sicherheit gebracht werden. Wer für diesen Angriff verantwortlich ist, ist bislang unklar.
Durchsage auf Kanal 16
Die Vorfälle ereignen sich vor dem Hintergrund einer massiven militärischen Eskalation. Nach israelisch-amerikanischen Angriffen auf Ziele im Iran erklärten die iranischen Revolutionsgarden per Funkdurchsage auf Kanal 16, dass „kein Schiff die Straße von Hormus passieren darf“. Mehrere Schiffe hätten entsprechende Warnungen empfangen, teilte ein Vertreter der EU-Marinemission „Aspides“ mit.

Die britische Marine bewertete diese Anweisungen jedoch als nicht rechtsverbindlich und riet Schiffen, die Meerenge mit äußerster Vorsicht zu passieren. Die Tankervereinigung Intertanko erklärte, die US-Marine habe vor Fahrten in der gesamten Region gewarnt – im Persischen Golf, im Golf von Oman, im Nordarabischen Meer und in der Straße von Hormus –, da die Sicherheit der Schifffahrt derzeit nicht garantiert werden könne. Auch das griechische Schifffahrtsministerium empfahl, das Gebiet zu meiden.
Reedereien reagieren
Mehrere internationale Reedereien reagierten auf die Bedrohungslage. Die Hamburger Container-Reederei Hapag-Lloyd setzte nach eigenen Angaben alle Durchfahrten durch die Straße von Hormus bis auf Weiteres aus. Die französische Reederei CMA CGM wies ihre Schiffe an, Schutzhäfen anzulaufen. Nach Angaben des Verbandes Deutscher Reeder (VDR) laufen in vielen Reedereien Krisensitzungen.
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Auch Ölkonzerne und große Handelshäuser stellten Transporte von Rohöl, Treibstoffen und Flüssigerdgas (LNG) vorübergehend ein. Satellitenbilder zeigten, dass sich Schiffe vor Häfen wie Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten stauten und die Passage durch die Meerenge mieden.
Rund 20 Prozent des weltweit verschifften Rohöls passieren die zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman gelegene Straße von Hormus. Neben Lieferungen aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Irak, Kuwait und dem Iran werden dort erhebliche Mengen LNG – vor allem aus Katar – transportiert.
Auswirkungen auf den Ölpreis
Die Straße von Hormus gilt als eines der wichtigsten maritimen Nadelöhre für den globalen Energiemarkt. Schon die Eskalation der Angriffe führte zu spürbaren Preissprüngen an den Rohstoffbörsen. Marktbeobachter sprechen von einem deutlichen Risikoaufschlag auf die Sorte Brent. Sollte die Passage dauerhaft eingeschränkt oder faktisch blockiert werden, rechnen Analysten mit weiter steigenden Notierungen. Was sich mit Verzögerung weniger Tage in den Preisen an unseren Tankstellen bemerkbar machen wird.


























