Ein alter Freund war gestorben und hatte sich gewünscht, auf der Nordsee bestattet zu werden. Vor Büsum in Dithmarschen sollte seine letzte Reise enden. Ich war früh dran, suchte einen Parkplatz, nicht weit weg von einigen aufgebockten Kuttern, an denen gekärchert und gestrichen wurde, und spazierte durch den Hafen.
Büsum, Ort der Fischer
Ich kam an einer weiteren kleinen Werft und an einer Fischräucherei vorbei. Fast alles hat in Büsum mit der Fischerei zu tun, sogar das Wappen des Ortes. Es zeigt einen kleinen Leuchtturm und die Umrisse eines Kutters. Ursprünglich war Büsum eine Insel mit mehreren Dörfern. Heute ist der Ort vor allem für seine Krabben bekannt und bei Touristen beliebt.
Ein kleines, weißgestrichenes Gebäude fiel mir auf. „Museum am Meer“ stand über der Tür. Ich zahlte den Eintritt, nahm die Treppe in den ersten Stock und erwartete eigentlich nicht viel. Im Raum stand ein altes Schiffsmodel in einem Glaskasten. Dahinter ein alter Stuhl in einem Glaskasten. Auf einem anderen Glaskasten klebte, mit Tesafilm angebracht, ein Blatt Papier. Und darauf las ich die Geschichte eines Mannes, der zum Helden wurde.
Januar 1887. Ein arktisch kalter Jahresstart, vor dem Hafen von Büsum stapelte sich das Eis in Schollen. Es war ein Sonntag, schon später Nachmittag, als mehrere Kinder begannen, „Eisschippern“ zu spielen. Ein gefährliches Spiel, das im Wesentlichen daraus bestand, von einer Scholle zur anderen zu springen.
Kinder treiben hinaus auf die Nordsee
Sie spielten, lachten und bemerkten dabei nicht, dass sich eine größere Eisscholle löste. Sie trieb Richtung Nordsee. Drei Kinder – sie sollen nach Angaben eines Zeitungsberichts zwischen 10 und 14 Jahre alt gewesen sein – riefen nun um Hilfe. Die anderen Kinder rannten in den nahen Hafen, um Rettung zu holen. Wenig später sammelten sich viele Einwohner Büsums am Strand.
Die Eisscholle trieb mit jeder Minute, die verging, weiter hinaus, bis sie nur mit einem Fernglas auszumachen war. Verzweiflung machte sich breit am Strand. Auch die Eltern der Kinder, die in Lebensgefahr aufs Meer hinaustrieben, waren eingetroffen.
Drei Männer rannten los, um ein Boot zu holen. Der Seehundjäger und Fischer Hans Reiher, der Fischer Wilhelm Külper und jemand, dessen Namen nicht überliefert wurde. Sie ließen es zu Wasser und begannen, zu rudern. Das Problem: Auf dem Weg in offenes Wasser, in dem die Eisscholle trieb, mussten sie viele kleine Schollen überwinden. Unter größter Anstrengung wuchteten sie das Boot also mehrfach hoch, schleppten es über das Eis, ließen es wieder zu Wasser.
Sie ruderten hinter der Scholle her und erreichten sie schließlich. Wie aber bekamen sie die Kinder an Bord? Hans Reiher, den ein zeitgenössischer Stich mit breiten Schultern und einem Vollbart zeigt, sprang in die See. Er schwamm hinüber auf die Scholle. Es gelang ihm, irgendwie, die Kinder an Bord des Ruderboots zu bekommen.
Rettung mit letzter Kraft
Mit letzter Kraft erreichten Retter und Gerettete schließlich den Strand, wo sie die Menge mit lautem Jubel begrüßte. Erleichtert schlossen die Eltern ihre frierenden Kinder in die Arme. Der Seehundjäger Reiher und seine Mitstreiter wurden in Büsum wie Helden gefeiert, doch eine Belohnung lehnte der Mann, der unter einfachen Verhältnissen lebte, ab.
„Wir haben nichts getan als unsere Pflicht“, soll er gesagt haben.
(...)
Die ganze Geschichte liest Du in unserem Buch "Unsinkable Sam", dem ersten Band der neuen Reihe "Abenteuer der Meere". HIER bestellen!




























