Wie gefährlich ist die Lage für die Reisenden?
Sechs große Kreuzfahrtschiffe liegen momentan in den Häfen des Nahen Ostens fest. An Bord sind Tausende Passagiere, darunter viele aus Deutschland. Zwei Schiffe der Hamburger Reederei TUI Cruises sind darunter; „Mein Schiff 4“ liegt in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten, „Mein Schiff 5“ in Doha an der Pier.
Am Sonntagmittag Ortszeit gab es unweit der "Mein Schiff 4" Explosionen. Das Verteidigungsministerium gab bekannt, dass zwei iranische Drohnen in ein Lagerhaus auf dem nahe des Hafens liegenden Marinestützpunkt Al Salam einschlugen. Ein Bild, das eine Passagierin auf unserer Facebook-Seite postet, zeigt eine Rauchsäule.
Die Schiffe sind direkt nicht beschossen worden - aber es besteht eben die Gefahr durch fehlgeleitete Drohnen oder Raketen.

Warum legen die Schiffe nicht einfach ab?
Weil das so einfach nicht möglich ist, mit knapp 5000 Menschen an Bord, also der Bevölkerung einer Kleinstadt. Die Logistik hinter solchen Reisen (Nahrung, Treibstoff, Wasser) ist komplex - und wohin sollten die Schiffe überhaupt fahren?
Die iranischen Revolutionsgarden haben die Straße von Hormus für geschlossen erklärt und Angriffe angekündigt (HIER erfahrt Ihr mehr.) Es wäre viel zu gefährlich, diese Meerenge (an der schmalsten Stelle ist sie nur 21 Seemeilen breit) zu passieren.
Die Schiffe sitzen aktuell also in einer Falle.

Was kommt auf den Kapitän und seine Besatzung zu?
Wir denken, dass es ein Nervenspiel für alle Beteiligten wird. Viele Passagiere machen sich Sorgen und haben Angst. Ältere Passagiere benötigen womöglich Medikamente. Die Außendecks waren zwischenzeitlich aus Sicherheitsgründen gesperrt. Es wird darauf ankommen, keinen "Schiffskoller" aufkommen zu lassen. Passagiere loben auf unserer Seite, dass der Kapitän immer wieder sachlich informiere und Ruhe ausstrahle. Das ist wichtig. Je länger die Situation so ist, desto mehr wird es ein Spiel der Nerven.
Die Situation erinnert uns an eine Geschichte aus unserem Buch "Helden der See". Sie handelt vom italienischen Kapitän Gennaro Arma, der während der Corona-Pandemie durch sein besonnenes Handeln eine Panik auf einem Kreuzfahrtschiff vor Japan verhinderte.
Wie geht es weiter?
Die Lage ist "dynamisch", wie es offiziell heißt. Bedeutet: Niemand weiß es. Der einzige Weg raus ist wegen der Sperrung der Straße von Hormus der Luftweg. Solange aber der Luftraum gesperrt ist, gibt es keine Abflüge. Vom Landweg durch die Wüste nach Saudi-Arabien wird dringend abgeraten.
Rund 30.000 Urlauber von deutschen Reiseveranstaltern sind von der aktuellen Krise im Nahen Osten insgesamt betroffen.

Was sollten Passagiere tun?
Auf jeden Fall den Empfehlungen des Auswärtigen Amtes Folge leisten. Den Link findet Ihr HIER. Und es ist ratsam, sich auf der Krisenvorsorgeliste Elefand des Auswärtigen Amtes zu registrieren. Außenminister Johann Wadepuhl kündigte am Montagnachmittag an, Militärflieger für Alte, Kranke, Schwangere und Familien mit Kindern schicken zu wollen. Dies erfordert aber gute Planung. Details sind noch nicht bekannt.
Wir wünschen allen Betroffenen, dass sie sicher nach Hause kommen - und den Crews der Schiffe gute Nerven.
Wie ist die Rolle der Kreuzfahrt-Reedereien zu bewerten?
Es gibt teils massive Kritik an TUI Cruises, die gleich zwei Schiffe in der Krisenregion hat. Andere Reedereien wie AIDA hatten Reisen wegen der angespannten Sicherheitslage vorsorglich abgesagt. Die Frage, wieso die Warnungen ignoriert wurden, soll und muss kritisch gestellt werden - aber jetzt scheint dafür nicht der geeignete Zeitpunkt zu sein.
Häme und Wut gegenüber den Reisenden, wie sie seltsamerweise in den Sozialen Netzwerken zu lesen ist, erscheint uns völlig unangebracht. Niemand möchte in einer solchen Lage stecken. Jetzt kommt es auf Hilfe und Unterstützung an!



























