14/05/26

Vergessen: Die Fischer von Butjadingen fürchten um ihre Existenz

Was bleibt von einem Fischerdorf, wenn es keine Kutter mehr gibt? Welche Motivation sollten Touristen haben, ein leeres Hafenbecken zu besuchen – und welche Folgen hat dieses Fragezeichen für eine ganze Region? Und mehr noch für die Alltagskultur, ja: die kulturelle Identität der Menschen an der Küste? Die Fischer von Fedderwardersiel schlagen Alarm. Von Stefan Kruecken, Ankerherz
Fedderwardersiel Hafen

Fedderwardersiel auf Butjadingen, einer Halbinsel an der Nordsee, ist ein historischer Kutterhafen mit Imbissen und ein paar Häusern hinter dem Deich, Heimat von knapp 250 Menschen, die mit dem Meer leben. Die Fischer des Dorfes sehen sich nun in ihrer Existenz bedroht – und damit nicht nur sie.

Eher zufällig haben sie davon erfahren, dass das Land Niedersachsen die Nordsee vor der Küste neu sortiert. Das Meer ist längst eine Art Gewerbegebiet mit Salzwasser: Windparks. Kabeltrassen. Pipelines. Reeden. Fahrwasser. Aufschüttungen von Schlick. Jeder bekommt einen Teil des Meeres ab, und der Rest wird zum Schutzgebiet erklärt.

Die Fischer wurden vergessen

Nur die Fischer von Fedderwardersiel sind im Konzept der zuständigen Ministerien nicht vorgesehen. Ihre drei wichtigsten Fanggebiete fallen weg, sofern die neuen Pläne Realität werden: Verbotszonen.

„Dann ist der Laden zu“, sagt mir Söhnke Thaden, Jahrgang 1969, Fischer in fünfter Generation, den ich auf seinem Krabbenkutter erreiche. Im Hintergrund sind Möwen zu hören. „Wenn das so kommt, macht es keinen Sinn mehr. Auf einer Sandbank können wir doch nicht fischen.“

Garnelen aus Honduras. Ernsthaft?

Thaden fährt zu See, seit er denken kann. Nicht immer ist der Job leicht, vor allem dann nicht, wenn der Diesel teuer ist, eine überbordende Bürokratie mehr Sorgen bereitet als eine überkommende Welle und durch die sozialen Netzwerke Vorurteile und Unfug schwappen. Trotzdem habe die Krabbe als regionales Produkt eine Zukunft. „Vor dem Deich gefangen, direkt hinter dem Deich verkauft“, sagt Thaden. Wie ginge es denn nachhaltiger? Regionaler. Sollen Supermarktgarnelen aus Honduras oder Indien eine Alternative sein?

Söhnke Taden auf seinem Kutter (Foto: privat)

Momentan aber plagen den Fischer Nächte ohne Schlaf. Die Frage, wie es weitergeht, und wie man eine Stimme bekommt in einer lauten Welt mit vielen Krisen, in der so viele schreien, aber eine kleine Gruppe ohne Lobby kaum Gehör findet? Die Fischer von Fedderwardersiel haben eine Petition an den Niedersächsischen Landtag gestartet, um die Pläne zu stoppen. (HIER könnt Ihr unterstützen).

Butjadingen ohne Kutter?

„Wir müssen uns selbst helfen“, sagt Thaden. Seine ganze Familie hänge mit drin, sein Sohn Jesse, der als Steuermann in der Hochseefischerei vor Grönland und Spitzbergen unterwegs ist. Bis vor Kurzem trieb die Bewohner des Fischerdorfs die Furcht vor der Havarie eines großen Tankers vor der Küste um, die Angst vor einer Umweltkatastrophe, die ihnen die Lebensgrundlage nimmt.

Jetzt geht es plötzlich um alles, doch die Bedrohung kommt nicht von See. Butjadingen ohne Kutter? Mag ich mir nicht vorstellen.

Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, leitet mit seiner Frau Julia den von ihnen gegründeten Ankerherz Verlag. Vorher war er Polizeireporter für die Chicago Tribune und arbeitete als Reporter für Zeitschriften wie max, Stern und GQ von Uganda bis Grönland. Gerade erschien sein neues Buch „North Star“.

 

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