24/10/26

Feuer an Bord eines Hapag-Lloyd-Charterschiffs im Atlantik

Feuer mitten im Südatlantik, weit entfernt vom nächsten Hafen: Die Besatzung der „Espirito Santo Express“ - ein Großcontainerfrachter in Charter der Hamburger Reederei. Hapag-Lloyd - musste ihr Schiff verlassen. Spezialisten kämpfen inzwischen gegen den Brand. Der Fall zeigt, wie schwer  moderne Containerschiffe auf hoher See zu retten sind.
Feuer Containerschiff Symbolfoto

An Bord der „Espirito Santo Express“, die für Hapag-Lloyd in Charter fährt, brennt es im Ladungsbereich vor dem Aufbau mit den Unterkünften. Das Schiff ist von Singapur nach Santos in Brasilien unterwegs, als am 15. Oktober der Brand ausbricht. Eigentümer ist Seaspan; auch die Reederei Ocean Network Express befördert Ladung auf dem Schiff.

Die Besatzung verlässt den Frachter auf dem offenen Südatlantik. Nach einem Bericht des Fachportals „The Maritime Executive“ befindet sich das Schiff mehr als 1000 Meilen von Brasilien entfernt. Bergungsteams haben den Havaristen inzwischen erreicht. Auch mehr als eine Woche nach dem Ausbruch des Feuers dauern die Löscharbeiten an.  Das 2018 gebaute Containerschiff hat eine Stellplatzkapazität von rund 11.800 Standardcontainern, sogenannten TEU. 

Rettungsaktion verläuft tragisch

Hapag-Lloyd teilte am 22. Oktober mit, die Einsatzkräfte konzentrierten sich darauf, den Brand zu bekämpfen und das Schiff zu stabilisieren. Das Ausmaß der Schäden sei weiterhin unklar. Für Kunden bedeutet das Ungewissheit: Die Reederei kann bislang weder den Zustand einzelner Container nennen noch sagen, wann belastbare Informationen über beschädigte Sendungen vorliegen werden. Die Brandursache ist unklar.

Die gute Nachricht Alle 28 Seeleute der „Espirito Santo Express“ (die bis vor Kurzem "Seapan Carrier hieß) konnten gerettet werden. Doch die Rettungsaktion nahm einen tragischen Verlauf. Nach Angaben der portugiesischen Seeunfalluntersuchungsbehörde GAMA übernahm der Frachter „Aeolian Arrow“ die Menschen aus einem Rettungsboot und einer Rettungsinsel.

Als anschließend das eigene Rettungsboot wieder aufgenommen werden sollte, führten Seegang und Strömung zu einer abrupten Bewegung des Bootes. Der Erste Offizier der „Aeolian Arrow“ fiel über Bord. Seine Kollegen versuchten, ihn mit Rettungsringen und einem Ladungsnetz zurück an Bord zu holen. Wiederholt verlor er den Halt. Schließlich verschwand er unter der Wasseroberfläche und konnte nicht geborgen werden. Die Behörde hat eine Sicherheitsuntersuchung eingeleitet.

Zweites Containerschiff meldet Feuer

Ein zweiter Brand beschäftigt Bergungskräfte vor Südafrika. Auf der „HMM Platinum“ befinden sich die Löscharbeiten nach Angaben der Reederei gegenüber „The Maritime Executive“ in der abschließenden Nachlöschphase. Alle 24 Besatzungsmitglieder sind in Sicherheit. Schlechtes Wetter hält das Schiff bislang auf See; erst nach vollständigem Löschen soll es einen nahe gelegenen Hafen für weitere Maßnahmen und Untersuchungen anlaufen.

Feuer auf großen Frachtschiffen gehört zu den drängenden Sicherheitsproblemen der Schifffahrt. Größere Schiffe bündeln enorme Ladungswerte und erschweren zugleich die Brandbekämpfung. Auf hoher See müssen Besatzungen zunächst mit den Menschen und Mitteln auskommen, die an Bord verfügbar sind. Bis spezialisierte Hilfe eintrifft, kann viel Zeit vergehen.

Risiko Feuer auf See

Ein wesentlicher Risikofaktor sind falsch oder gar nicht als Gefahrgut angemeldete Waren. Werden beispielsweise Chemikalien oder Batterien unzutreffend deklariert, können Container an ungeeigneten Stellen gestaut werden. Im Ernstfall fehlen zudem wichtige Informationen für die Brandbekämpfung. Der Schiffsversicherer Allianz Commercial warnt in seinem Sicherheitsbericht 2026 außerdem vor den möglichen Folgen beschädigter Lithium-Ionen-Batterien. Für die „Espirito Santo Express“ ist ein solcher Zusammenhang nicht belegt. Die Branche setzt deshalb auch auf eine bessere Prüfung von Frachtbuchungen, um verdächtige Angaben frühzeitig zu erkennen. 

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