24/10/26

Sturm Austen reisst Teile von Brighton Pier ins Meer

Einst flanierten Urlauber über seine Planken, hörten Konzerten zu und blickten hinaus auf den Ärmelkanal. Heute steht vom West Pier in Brighton nur noch ein eisernes Gerippe. Nun hat die See ein weiteres Stück davon genommen - Sturm "Austen" zieht eine Spur der Verwüstung über Englands Südküste... Text: Ankerherz Redaktion. Foto: dpa
Brighton Pier im Sturm Austen

Eine große Welle trifft den West Pier. Dann bricht ein Teil der Konstruktion zusammen und verschwindet in der aufgewühlten See. Simon Haffenden hat seine Kamera auf die Brandung vor Brighton gerichtet, als er den Einsturz aufnimmt. Gegenüber der BBC beschreibt er die Wucht der Welle und das anschließende Krachen. Der Anblick habe ihn erschüttert. Und auch traurig gemacht.

Am Freitag (23. Oktober) ist im Sturm Austen ein weiterer Teil der historischen Seebrücke vor der südenglischen Küstenstadt ins Meer gestürzt. Aufnahmen zeigen, wie eine Seite der verbliebenen Ruine unter dem Ansturm der Wellen nachgibt. Für Haffenden, der seit 16 Jahren in Brighton lebt, gehört das Bauwerk unverwechselbar zu seiner Stadt.

Brighton Pier durch Sturm zerstört

Als der West Pier 1866 eröffnete, stand er für eine andere Art, das Meer zu erleben: Man konnte trockenen Fußes weit über das Wasser spazieren. Entworfen hatte die Seebrücke der Ingenieur Eugenius Birch. Gusseiserne, in den Meeresboden geschraubte Stützen trugen die Promenade; zwischen ihnen sollte die See hindurchströmen können.

Aus dem zunächst vergleichsweise schlichten Bauwerk wurde über Jahrzehnte eine Bühne des englischen Seebadlebens. Ein großer Pavillon kam hinzu, später ein Theater und 1916 ein weiterer Konzertsaal. Menschen flanierten über die Planken, besuchten Vorstellungen und genossen die Seeluft. Im Rekordjahr 1919 wurden mehr als zwei Millionen zahlende Besucher gezählt.

Doch die große Zeit ist lange vorbei. Nach dem Zweiten Weltkrieg sank die Popularität des Piers. 1975 wurde er aus Sicherheitsgründen für das Publikum geschlossen. Die Anlage verfiel. Ende 2002 brachen größere Teile während eines Sturms zusammen. Zwei verheerende Brände zerstörten 2003 den Pavillon und den Konzertsaal – ausgerechnet, als eine Restaurierung nach jahrelangen Vorbereitungen in greifbare Nähe gerückt war.

Eine Ruine als Wahrzeichen

Geblieben ist eine durchbrochene Silhouette über dem Wasser. Darin liegt ein Teil ihrer besonderen Wirkung: Die Umrisse lassen noch erahnen, wie prächtig der Pier einmal gewesen sein muss. Zugleich zeigen sie, was Feuer, Wetter und Jahrzehnte des Verfalls von ihm übrig gelassen haben.

Für manche Menschen in Brighton wurde gerade diese Ruine zum Symbol ihrer Stadt. Sie verbindet die Erinnerung an das alte Seebad mit einem Bild der Gegenwart. Der West Pier Trust beschreibt die Überreste als Bauwerk von gespenstischer Schönheit. Inzwischen bieten sie auch Kormoranen, anderen Seevögeln und Meereslebewesen einen Lebensraum.

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Die Konstruktion zerfällt weiter. Sie dauerhaft im jetzigen Zustand zu erhalten, sei technisch nicht machbar und finanziell nicht zu leisten, sagt der Trust. Langfristig könnten die Reste zu einem Riff werden, das nur bei Niedrigwasser sichtbar ist. Die Ruine ist gefährlich und darf nicht aufgesucht werden.

Schäden durch Sturm Austen

Auch andernorts hat Sturm Austen Schäden und erhebliche Behinderungen verursacht. Im Südwesten Englands waren nach Angaben des Netzbetreibers National Grid am Freitagnachmittag mehr als 31.000 Haushalte ohne Strom. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen und Bahnstrecken; Flüge wurden gestrichen, zahlreiche Schulen in Cornwall blieben geschlossen oder öffneten verspätet.

Auf den Scilly-Inseln wurde eine Böe von rund 122 Stundenkilometern gemessen. Auch Frankreich traf der Sturm schwer: Nach Angaben des Netzbetreibers Enedis waren dort zeitweise fast 300.000 Haushalte ohne Elektrizität, besonders in der Bretagne und der Normandie. Eine vollständige Schadensbilanz liegt bislang (Stand: Samstag) nicht vor.

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