02/04/25

"Feuerball" - Augenzeugenbericht über Havarie vor England

Ein Seemann starb und eine Umweltkatastrophe drohte an Englands Ostküste. Nun veröffentlicht eine Gewerkschaft Augenzeugenberichte. Diese haben es in sich.
"Feuerball" - Augenzeugenbericht über Havarie vor England

Mit 16 Knoten Geschwindigkeit rammte der Frachter Solong den vor Anker liegenden Tanker "Stena Immaculate". Ein Seemann wurde getötet. Zwischenzeitlich drohte an Küste vor der englischen Hafenstadt Hull eine Umweltkatastrophe. (HIER liest Du alles zur Katastrophe im Ankerherz Blog).

Nun hat die Gewerkschaft "Seafarers International Union" (SIU) erstmals Augenzeugenberichte des Unglücks veröffentlich. Und die haben es in sich.

"Riesiger Feuerball"

Jeffrey Griffin, dritter Offizier der "Stena Immaculate", trieb zum Zeitpunkt des Unglücks Sport an Deck. "Alles, was ich sah, war etwas Großes und Blaues, das direkt auf uns zusteuerte. Ich wusste sofort: Das wird uns treffen", berichtet er. "Ich stand genau an der Stelle, wo es zwischen Tank sieben und sechs einschlug. Es gab dieses laute, zerreißende Knirschen – und dann folgte ein riesiger Feuerball."

Erste Reaktion an Bord: Schock und Ungläubigkeit. "Es war kein gewaltiger Ruck", erinnert sich der Matrose Benjamin Brown. "Ich blickte durch den Nebel und konnte schwach die Umrisse des anderen Schiffs erkennen. Und dann kam dieser erste Feuerball."

"Alle Mann von Bord!"

Sofort begann die Besatzung mit den Löscharbeiten. Sie legte Schläuche aus, versprühte Löschschaum und kämpfte sich durch dichten Rauch und giftige Dämpfe. Nach einer halben Stunde entschied der Kapitän, das Schiff aufzugeben. Griffin: "Ich wollte gerade zum Appell blasen, als wir über Funk hörten: 'Vergesst den Appell – alle von Bord!'"

Die Mannschaft versammelte sich am Rettungsboot. Als der zweite Offizier bestätigte, dass alle an Bord seien, wurde das Boot über das Fallreep ins Wasser gelassen. Auf der Wasseroberfläche brannten noch Rückstände des ausgelaufenen Treibstoffs. Dennoch gelang die Evakuierung – niemand wurde verletzt. Binnen kurzer Zeit wurden die Seeleute von nahegelegenen Schiffen gerettet.

Schiff wird nach Newcastle geschleppt

Auch wenn der Schock tief sitzt, zeigt sich Griffin entschlossen: "Ich bin etwas durchgeschüttelt, aber bereit, wieder auszulaufen. Wir haben für genau solche Situationen trainiert – und jeder an Bord hat überlebt. Das zeigt: Wir machen einiges richtig."

Die "Stena Immaculate" soll in den kommenden Tagen zur Entladung des restlichen Produkts und zur Begutachtung nach Newcastle geschleppt werden. Der Kapitän des Feederschiffs wurde unter dem Verdacht der fahrlässigen Tötung festgenommen. Die Ermittlungen zu den Ursachen des Unglücks dauern an. Klar ist schon jetzt: Nur durch das beherzte und mutige Handeln der Tanker-Crew wurde Schlimmeres verhindert.

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