26/03/26

Großbritannien will Putins Schattenflotte im Ärmelkanal entern

Großbritannien verschärft den Kurs gegen Russlands sogenannte Schattenflotte. Im Ärmelkanal sollen sanktionierte Schiffe künftig gestoppt, geentert und beschlagnahmt werden können. Ein Schritt, der politische Brisanz birgt.
Großbritannien will Putins Schattenflotte im Ärmelkanal entern

Die Regierung in London hat den Streitkräften und Strafverfolgungsbehörden die Befugnis erteilt, gegen Schiffe vorzugehen, die auf britischen Sanktionslisten stehen. Premierminister Keir Starmer (Labour) erklärte, dass man damit den Druck auf Wladimir Putin weiter erhöhen wolle. Ziel sei es, die Einnahmen aus dem Ölgeschäft zu treffen, die als zentrale Finanzquelle für Russlands Kriegsführung gelten.

Ärmelkanal für Schattenflotte gesperrt

Konkret bedeutet das: Schiffe, die trotz Sanktionen britische Gewässer durchqueren, können künftig gestoppt und festgesetzt werden. London will damit den Ärmelkanal faktisch für diese Flotte sperren. Reeder und Betreiber stehen damit vor der Entscheidung. Entweder sie nehmen deutlich längere Routen nördlich der Britischen Inseln in Kauf oder sie gehen das Risiko ein, von der Royal Navy aufgebracht zu werden.

Fregatte "HMS Somerset" beim Besuch in Hamburg. Foto: Ankerherz

Als „Schattenflotte“ gelten meist uratle Tanker, die unter wechselnden oder verschleierten Flaggen fahren. Registriert auf Briefkästenfirmen, schaukeln sie ohne Versicherungsschutz über die Meere. Sie werden vom russischen Regime genutzt, um internationale Sanktionen – insbesondere beim Export von russischem Öl – zu umgehen.

Darüber hinaus stehen einzelne Schiffe im Verdacht, an hybriden Operationen beteiligt zu sein, etwa an Beschädigungen von Unterwasser-Infrastruktur in der Ostsee. Umweltschutzorganisationen warnen vor katastrophalen Folgen im Falle einer Havarie (MEHR DAZU).

Neue Eskalationsstufe auf See

Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine hat Großbritannien nach eigenen Angaben bereits mehr als 500 Schiffe dieser Flotte sanktioniert. Der aktuelle Schritt markiert eine neue Eskalationsstufe: Erstmals wird nicht nur wirtschaftlicher Druck ausgeübt, sondern auch ein direkter Zugriff auf See ermöglicht.

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Rückendeckung erhält London natürlich aus Kiew. Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert seit Längerem ein konsequenteres Vorgehen gegen die Schattenflotte. Vor dem Hintergrund eines zuletzt von Frankreich gestoppten Tankers betonte er, dass der Druck auf Russland parallel zum Kriegsverlauf aufrechterhalten werden müsse. Gemeinsam mit europäischen Partnern arbeitet die Ukraine daran, rechtliche Grundlagen zu schaffen, die das Stoppen von Tankern und die Beschlagnahme von Öl ermöglichen.

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