Das Forschungsschiff „Polarstern“ des Alfred-Wegener-Instituts ist von Bremerhaven zur nächsten Arktisexpedition aufgebrochen. An Bord sind 54 wissenschaftliche Fahrtteilnehmende und 43 Crewmitgliedern. Ihr Ziel ist der sogenannte AWI-HAUSGARTEN, ein ökologisches Langzeitobservatorium in der Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen.
Das Alfred-Wegener-Institut hat dieses Observatorium im Jahr 1999 aufgebaut. Es reicht von eisbedeckten Gewässern bis in Tiefen von mehr als 5.500 Metern. Für die Polar- und Meeresforschung ist der HAUSGARTEN ein Schlüsselstandort, weil hier seit mehr als einem Vierteljahrhundert Veränderungen im arktischen Meer systematisch dokumentiert werden.
Das Langzeitgedächtnis der Arktis
Internationale Forschungsteams betreiben in dem Gebiet Messsysteme, die am Boden der Tiefsee verankert sind und regelmäßig ausgetauscht werden müssen. Dazu kommen ozeanografische und biologische Untersuchungen. Es geht um Strömungen, Wassertemperaturen, Plankton, Nahrungsnetze und die Frage, wie sich Veränderungen an der Oberfläche bis hinab auf den Meeresboden auswirken.
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„Der HAUSGARTEN ist mehr als ein Messnetz – er ist ein Langzeitgedächtnis der Arktis“, sagt Dr. Thomas Soltwedel, Biologe und langjähriger wissenschaftlicher Leiter des Observatoriums am AWI. Ohne diese Daten, so Soltwedel, ließen sich weder Geschwindigkeit noch Tragweite der Veränderungen an der Grenze zwischen Nordatlantik und zentralem Arktischen Ozean verstehen.
Die Framstraße ist die einzige Tiefwasserverbindung zwischen der Zentralarktis und den Weltmeeren. Genau dort treffen warme Atlantikströmungen auf kaltes arktisches Wasser. Das macht die Region aus Sicht des AWI zu einem Frühwarnsystem für globale Veränderungen.
Veränderungen bis in die Tiefsee
Die Zahlen sind deutlich. Die Arktis erwärmt sich nach AWI-Angaben doppelt so schnell wie der Rest der Erde. In der Framstraße hat die Dicke des Meereises in den vergangenen Jahrzehnten um bis zu 40 Prozent abgenommen. Zudem steigen vor allem im östlichen Teil der Framstraße die Wassertemperaturen merklich an; seit 1999 wurden dort jährliche Mittelwerte von bis zu 1,5 Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt gemessen.
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Die Langzeitmessungen zeigen nicht nur physikalische Veränderungen. Auch das Leben im Meer verschiebt sich. Laut AWI hat sich die Zusammensetzung des Phytoplanktons bereits deutlich verändert. Beim Zooplankton nehmen kälteliebende Arten ab, während wärmetolerante Arten in die Arktis einwandern. Die Folgen für das Nahrungsnetz sind noch nicht vollständig absehbar.
Veränderungen bis zum Meeresboden
Diese Veränderungen reichen bis zum Meeresboden. Organische Partikel aus den oberen Wasserschichten sinken in die Tiefe und versorgen dort benthische Organismen mit Nahrung. Wenn sich die Planktongemeinschaft verändert, verändert sich auch die Qualität und Menge dieser Nahrung. Nach AWI-Angaben sinkt heute offenbar weniger energiereiches Material ab – mit Folgen für die Bewohner des Tiefseebodens.
Die aktuelle Expedition dient auch dazu, Messsysteme zu warten, Datenreihen fortzuführen und Proben zu gewinnen. Gerade solche Langzeitreihen sind in der Klimaforschung entscheidend: Einzelne Messungen zeigen Momentaufnahmen. Erst viele Jahre regelmäßiger Beobachtung machen sichtbar, was ein Trend ist und was Ausnahme.
Die HAUSGARTEN-Expedition soll planmäßig am 3. August 2026 im norwegischen Tromsø enden. Anschließend beginnt eine weitere „Polarstern“-Expedition an die nordostgrönländische Küste und in die Zentralarktis. In Bremerhaven wird das Forschungsschiff Mitte Oktober zurückerwartet.
Wir von Ankerherz wünschen Forschenden und Besatzung eine erfolgreiche und sichere Reise!



























