29/08/26

RNLI Tynemouth 134 Seemeilen vor der Küste im Einsatz

Irgendwo weit draußen in der Nordsee funkt eine Notfunkbake. Niemand weiß, zu welchem Schiff sie gehört und ob Menschen um ihr Leben kämpfen. Für die freiwilligen Seenotretter von Tynemouth beginnt ein Einsatz an der Grenze des Machbaren... Wir haben eine besondere Beziehung zu dieser Station. Was für eine Geschichte! Text: Ankerherz Redaktion. Fotos: RNLI Tynemouth, Ankerherz
RNLI Tynemouth 134 Seemeilen vor der Küste im Einsatz

Die Position liegt 134 Seemeilen östlich von Tynemouth – umgerechnet fast 250 Kilometer vor der Küste Nordostenglands, weit draußen auf der Nordsee. Was diesen Einsatz so für die Besatzung Seenotrettungskreuzers Osier der RNLI besonders macht: Die Retter wissen nicht, was sie am Ziel erwartet.

Die sogenannte EPIRB, eine Emergency Position Indicating Radio Beacon, ist keinem Schiff zugeordnet. Bei der britischen Küstenwache liegen deshalb weder Angaben zu einem Fahrzeug noch zur Zahl möglicher Schiffbrüchiger vor.

Ein Ziel jenseits der sicheren Reichweite

Ein solches Signal muss ernst genommen werden. Eine EPIRB wird gewöhnlich aktiviert, wenn ein Schiff in schwerer Not ist oder sinkt. Über Satelliten übermittelt die Funkbake ihre Position an die Rettungsleitstellen. Diesmal kann jedoch niemand sagen, ob Menschen im Wasser treiben, in einer Rettungsinsel warten oder ob die Bake versehentlich ausgelöst wurde.

Tynemouth crew: George, Kris, Enzo, Rob and Alistair

Doch 134 Seemeilen sind selbst für einen großen Seenotrettungskreuzer eine außergewöhnliche Entfernung. Die Osier gehört zur Severn-Klasse, der größten Klasse von Allwetterrettungsbooten der RNLI. Ihre Reichweite beträgt etwa 250 Seemeilen.

Eine Fahrt zum gemeldeten Standort und zurück hätte rund 268 Seemeilen umfasst – mögliche Suchmanöver am Einsatzort noch nicht eingerechnet. Bei voller Geschwindigkeit konnte die Osier das Ziel deshalb nicht erreichen und gleichzeitig genügend Treibstoff für eine sichere Rückfahrt behalten.

Flugzeug erreicht die Position zuerst

Noch vor und während des Einsatzes mussten die freiwilligen Maschinisten gemeinsam mit der Crew genau berechnen, was technisch möglich war. Geschwindigkeit, Verbrauch, Entfernung und notwendige Reserven wurden gegeneinander abgewogen. Die Retter reduzierten zeitweise die Fahrt, um Kraftstoff zu sparen.

Sturm über Tynemouth. Wir mögen die Region im Nordosten Englands.

Parallel zur Osier schickt die Küstenwache ein in Humberside stationiertes Flugzeug in das Seegebiet. Aus der Luft soll die Besatzung klären, was sich an der übermittelten Position befindet. Mehr als drei Stunden ist der Seenotrettungskreuzer bereits unterwegs.

Die Osier hat Tynemouth inzwischen 72 Seemeilen – rund 133 Kilometer – hinter sich gelassen, als die erlösende Nachricht eintrifft: Das Küstenwachenflugzeug hat die Position erreicht. Niemand befindet sich in Gefahr. Entwarnung: Die Crew dreht um.

Erlösende Nachricht

Gegen 15.30 Uhr läuft die Osier nach mehr als sechs Stunden auf der Nordsee wieder in den Tyne ein. Nach der langen Fahrt wird das Rettungsboot mit mehr als 3.000 Litern Treibstoff betankt. Bereits um 17 Uhr ist es wieder vollständig einsatzbereit.

Hätte die Osier die gemeldete Position tatsächlich erreicht, wäre daraus neuer Entfernungsrekord geworden. Im Juni 2015 fuhren die Seenotretter aus Tynemouth 114 Seemeilen weit hinaus, um einem dänischen Fischereifahrzeug zu helfen, in das Wasser eindrang. Die neue Alarmposition lag noch einmal 20 Seemeilen weiter draußen!

Besondere Verbindung zu Ankerherz

Wir von Ankerherz haben zu dieser Station eine besondere Verbindung. Während unserer ersten Newcastle Lighthouse Tour besuchten wir die Seenotretter von Tynemouth. James Waters, einer der rund 40 Freiwilligen der Station, führte uns durch das Gebäude am Fish Quay und zeigte uns die Ausrüstung.

Ankerherz-Verlagsleiter Stefan zu Besuch auf der Station Tynemouth

Wir durften sogar in die schweren gelben Überlebensanzüge schlüpfen, die einen Retter schützen sollen, wenn er in die kalte Nordsee stürzt. An den Wänden der Station erinnern schwarze Tafeln an dramatische Einsätze aus mehr als einem Jahrhundert.

Der Besuch vermittelte uns einen Eindruck davon, wer diese Menschen sind: Fischer und Berufsseeleute, aber auch IT-Fachleute und Automechaniker. Menschen mit gewöhnlichen Berufen, die ihren Alltag verlassen, sobald der Pager alarmiert.

Und die hinausfahren, ohne zu wissen, was sie erwartet. HIER lest Ihr die Geschichte.

 

Bei der nächsten Ankerherz Tour in den Nordosten Englands wollen wir die Station wieder besuchen. Wer dabei sein möchte schaut HIER in der Reisebeschreibung. Es ist nur noch eine Kabine frei!

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