Die Liste des Schadens und der Schande, also der Dinge, die Donald Trump auch auf den Meeren anrichten, ist lang. Er öffnete sensible Schutzgebiete für die Fischerei und erlaubte Offshore-Bohrungen nach Öl und Gas. Obamas Politik zur Pflege der Ozeane existiert nicht mehr, dafür fördert Trump den umstrittenen Bergbau in der Tiefsee.
Nun geht sein Kampf gegen Wissenschaft auf See weiter. Noch in diesem Monat sollen Schiffe entsandt werden, um ein 368 Millionen Dollar teures System zur Beobachtung der See zu demontieren. Richtig gelesen: Trump lässt mehr als 900 Tiefsee-Messinstrumente aus dem Meer holen, die vor den Küsten von Oregon, Washington State, Alaska, North Carolina und der Irminger See (einem Gebiet zwischen Grönland und Island) im Meeresboden verankert sind.
Trumps Kampf gegen die Wissenschaft
Das System existierte seit einem Jahrzehnt und liefert Wissenschaftlern auf der ganzen Welt wichtige Daten, um Ökosysteme und Strömungen zu überwachen, die das globale Klima beeinflussen. Unter anderem geht es dabei um Veränderungen der Atlantischen Umwälzzirkulation – bekannt als „Golfstrom“-System – dem Europa sein mildes Klima verdankt. In Schottland wachsen Palmen, wo auf gleicher geografischer Breite in Kanada nur Moos gedeiht.
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Der Weltklimarat warnte schon vor Jahren, dass diese gigantische Umwälzpumpe schwächer arbeitet – und forderte daher, Klimaschutzmaßnahmen zu verstärken. Anderenfalls drohe, so die düstere Prognose, ein „Kipp-Punkt“, der Auswirkungen auf Wettermuster, Meeresspiegel und Leben im Meer haben könnte.
Golfstrom droht der Kipp-Punkt
Nach Trumps Plänen werden die Wissenschaftler nicht mehr messen können. Der Klimawandel fällt also aus, weil er nicht länger untersucht werden kann. Eine Logik aus dem Kindergarten des Weißen Hauses, die an Trumps „Strategie“ während der Corona-Zeit erinnert: Ohne Tests keine Pandemie. So einfach ist das.
Ungefähr 15 Monate soll es dauern, bis die Instrumente geborgen sind. Ein seismisches System, das an einem aktiven Unterwasservulkan vor der Küste Oregons positioniert ist, werde bis 2028 weiter betrieben. Ob der Vulkan auch weiß, dass er nach 2028 nicht ausbrechen darf, ist eine andere Frage.
Die Trump-Regierung argumentiert, dass man 48 Millionen Dollar jährlich einsparen könne. Also ungefähr die Summe, die Trumps Bühne für den Käfig-Kampf im Garten des Weißen Hauses kostet. Wer die Pläne noch stoppen kann? Die Demokraten im Kongress haben Widerstand angekündigt, doch ob dieser ausreicht, wird sich zeigen.
Ist es staatliche Sabotage?
Sollte sich Trump durchsetzen – selbst wenn es nur kurzfristig ist – wäre ein Loch in der Datenfolge für die Forschung verheerend, denn sie lebt von Kontinuität und vergleichbaren Werten. Trump entzieht Wissenschaft nicht nur die finanziellen Mittel. Er zerstört die Grundlage für Forschung: Er vernichtet ihre Instrumente.
Wie soll man dieses Vorgehen also nennen: Staatliche Sabotage? Und an welcher Stelle ist der Begriff von staatlichem Terror gegen die Wissenschaft angebracht?

Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, leitet mit seiner Frau Julia den von ihnen gegründeten Ankerherz Verlag. Vorher war er Polizeireporter für die Chicago Tribune und arbeitete als Reporter für Zeitschriften wie max, Stern und GQ von Uganda bis Grönland. Gerade erschien sein neues Buch „North Star“.


























