Southend-on-Sea liegt in der Grafschaft Essex an der Nordseite der breiten Themsemündung, rund 60 Kilometer ist Osten von London. Die Küste ist dort von ausgedehnten Wattflächen, Prielen und weichem Schlick geprägt. Bei Ebbe zieht sich das Meer stellenweise mehr als eine Meile – rund 1,6 Kilometer – vom Strand zurück. Was dann wie eine offene, scheinbar ungefährliche Fläche aussieht, kann bei auflaufender Flut schnell zu einer gefährlichen Falle werden...
Fünf Kinder in Lebensgefahr
Denn das Wasser kehrt nicht überall gleichmäßig zurück. Es läuft durch Rinnen und Priele, kann Menschen vom sicheren Ufer abschneiden und einzelne Sand- oder Schlickflächen innerhalb kurzer Zeit überspülen. Hinzu kommen weicher Untergrund, ungeeignetes Schuhwerk und die Schwierigkeit, Entfernungen in der flachen Landschaft richtig einzuschätzen.
Für Kinder ist es besonders schwierig.
Am späten Sonntagnachmittag ging ein Notruf bei der britischen Küstenwache ein. Fünf Kinder befanden sich draußen an der Wasserkante - und die Flut lief auf! Die Küstenwache alarmierte die freiwilligen Seenotretter der Royal National Lifeboat Institution in Southend-on-Sea. Um 17 Uhr startete das RNLI-Hovercraft H-004 „Vera Ravine“.
Halbe Meile vor der Küste
Etwa eine halbe Meile, rund 800 Meter, vor der Küste entdeckte die Besatzung die fünf Kinder. Die Seenotretter nahmen sie an Bord und untersuchten sie. Die Kinder waren lediglich etwas ausgekühlt - und hatten einen Schrecken.
Ein klassisches Rettungsboot wäre in diesem Gebiet nur eingeschränkt einsetzbar. Ein Hovercraft bewegt sich dagegen auf einem Luftkissen. Es kann über flaches Wasser, Schlick, Sandbänke und überspülte Wattflächen gleiten. Dadurch erreicht es auch Orte, die weder für Boote noch für Fahrzeuge vom Land aus sicher zugänglich sind.
Die Kinder wurden mit der „Vera Ravine“ an Land gebracht. Dort warteten bereits ihre Eltern und das Küstenrettungsteam von Southend. Nach einer weiteren Untersuchung und einigen deutlichen Sicherheitsansagen konnten alle Einsatzkräfte abrücken.
Seenotretter warnt vor Gefahren
RNLI-Kommandant Jonathan Charnock warnte nach dem Einsatz vor den Gefahren der weitläufigen Wattflächen. Die Kinder hätten keine Möglichkeit gehabt, selbst Hilfe zu rufen, seien mit ungeeignetem Schuhwerk unterwegs gewesen und hätten das Gebiet nicht gekannt.
Sie hatten Schutzengel mit einem Luftkissenboot - und auch etwas Glück. Diese Geschichte hätte böse enden können...
























