05/03/26

Mehr als 4000 Seeleute sind im Persischen Golf gefangen

Der Iran bedroht Schiffe in der Straße von Hormus. Laut Verband Deutscher Reeder (VDR)und Deutscher Seemannsmission (DSM) sind nun mindestens 200 Frachtschiffe mit rund 4.000 Seeleuten im Persischen Golf gefangen, darunter 25 Schiffe deutscher Reedereien. Reedereien haben Krisenstäbe eingerichtet. Wie geht es weiter?
Strasse von Hormuz am 5 Maerz. Foto: Marine Traffic

Nach den jüngsten Angriffen auf Handelsschiffe und einer Drohung des Iran ist die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt – für den Schiffsverkehr blockiert. „Jedes Schiff, das die Straße von Hormus passieren will, wird brennen“, warnte ein General der iranischen Revolutionsgarden über Telegram.

Zehn Angriffe, ein toter Seemann

Laut Daten des Schiffsdienstes MarineTraffic liegt der AIS-aktive Schiffsverkehr derzeit rund 90 Prozent unter dem normalen Niveau. Viele Reeder meiden die Passage aus Angst vor weiteren Angriffen. Schiffe, die fahren, haben in der Regel eine Verbindung zum Iran. Sicherheitsberater warnen eindringlich vor der Passage durch die Straße von Hormuz.

Nach Angaben der britischen Seehandelsaufsicht UKMTO kam es allein innerhalb von 72 Stunden zu mindestens zehn Angriffen auf Handelsschiffe. Ein Seemann kam ums Leben, ein Schiff musste aufgegeben werden. Eine Übersicht der Angriffe zeigt, wie ernst die Lage in der Region ist:

  • Der Bulkcarrier „Gold Oak“ wurde vor Fudschaira getroffen und erlitt Rumpfschäden.

  • Der Tanker „Libra Trader“ wurde ebenfalls vor Fudschaira beschädigt.

  • Die „MSC Grace“ meldete vor Dubai einen Beinahetreffer.

  • Ein weiteres Schiff entging im Golf von Oman nur knapp einem Angriff.

  • Die Containerschiff „Safeen Prestige“ wurde in der Straße von Hormus schwer getroffen; ein Brand im Maschinenraum zwang die Besatzung, das Schiff zu verlassen.

  • Zudem kam es zu einem mutmaßlichen Kommandoangriff mit Schnellbooten auf einen Tanker südlich von Kuwait, der eine Explosion und einen Ölunfall auslöste.

Die USA haben zwar angekündigt, Versicherungen für Schiffe in der Region zu unterstützen, doch Experten bezweifeln, dass dies den Verkehr dauerhaft wieder in Gang bringt. Ohne militärischen Schutz bleibt das Risiko hoch. Gleichzeitig gilt eine Marineeskorte derzeit als unwahrscheinlich, weil Kriegsschiffe in der Region bereits stark gebunden sind und Konvois über Tage hinweg in Reichweite iranischer Raketen und Drohnen operieren müssten.

Marine-Eskorten derzeit unwahrscheinlich

Viele der Angriffe ereigneten sich zudem weit außerhalb der eigentlichen Straße von Hormus – von Kuwait bis Salalah im Oman. Damit bleibt das Risiko für die Handelsschifffahrt im gesamten Persischen Golf hoch.

Rund 200 Frachtschiffe mit etwa 4.000 Seeleuten sitzen in der Region fest, wie die Deutsche Seemannsmission (DSM) in Hamburg schätzt. Allein 25 Schiffe deutscher Reedereien können den Persischen Golf derzeit nicht verlassen. Auch die Hamburger Containerreederei Hapag-Lloyd ist betroffen – wenn auch mit einer „einstelligen Zahl“ von Frachtern, wie Flottenchefin Silke Lehmköster erklärt.

Reedereien im Krisenmodus

Die Reederei hat einen Krisenstab eingerichtet, der sich um die Sicherheit der Crews und Schiffe kümmert. Aus Sicherheitsgründen gibt das Unternehmen keine genauen Positionen preis. Bisher seien weder Schiffe noch Besatzungsmitglieder zu Schaden gekommen, betont Lehmköster, die den Stab leitet.

Normalerweise passieren ein Fünftel der globalen Öltransporte diese strategisch entscheidende Meerenge. Doch seit der Iran per Funk ein Durchfahrtsverbot verhängt hat, herrscht Stillstand. „Die Reedereien schalten in den Krisenmodus“, sagt der Verband Deutscher Reeder (VDR)Lieferketten brechen zusammen, Treibstoffpreise steigen, und Tausende Seeleute harren in einer unsicheren Warteposition aus.

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