Gegen 16.30 Uhr empfing Bremen Rescue Radio, die Seenotküstenfunkstelle der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), auf dem internationalen UKW-Not- und Anrufkanal 16 einen äußerst schwachen Notruf. Die Nachricht war nur bruchstückhaft zu verstehen. Eine genaue Position ließ sich nicht feststellen, weil keine weitere Funkverbindung zu dem Schiff zustande kam.
Klar war bloß: Da war ein Segler in höchster Not, irgendwo östlich von Rügen...
Entscheidende Hilfe kam schließlich von der polnischen Fähre „Polonia“. Deren Besatzung konnte einen weiteren Funkspruch deutlicher empfangen und die Informationen weitergeben. Das Segelboot befand sich rund 20 Seemeilen (etwa 37 Kilometer) östlich von Rügen.
Einsatz in schwerer See
Die deutsche Rettungsleitstelle See alarmierte daraufhin die Seenotretter der Station Sassnitz sowie einen Rettungshubschrauber von NHC Northern Helicopter. Auch das Minenjagdboot „Bad Bevensen“ der Deutschen Marine, das sich in der Nähe befand, wurde in den Einsatz einbezogen.
Helden der See von Ankerherz - HIER bestellen!
Der Hubschrauber erreichte das nur 7,5 Meter lange Segelboot als erste Rettungseinheit. Doch die Wetterbedingungen erschwerten den Einsatz: Bei westlichem Wind der Stärke fünf und bis zu zweieinhalb Meter hohen Wellen war es zu gefährlich, einen Notarzt und eine Notfallsanitäterin direkt auf das kleine Boot abzuwinschen.
Die Hubschrauberbesatzung entschied deshalb, das medizinische Team zunächst auf dem Seenotrettungskreuzer „Harro Koebke“ abzusetzen. Der Kreuzer verfügt eigens für solche Einsätze über ein Hubschrauberarbeitsdeck. Nun kam das Tochterboot „Notarius“ zum Einsatz. Mit ihm brachten die Seenotretter Notarzt und Notfallsanitäterin zum Segelboot. Die „Notarius“ ging bei dem Havaristen längsseits, und der stark seekranke Mann wurde übernommen.
Seekranker wird stabilisiert
Im geschlossenen Deckshaus des Tochterbootes konnten die Mediziner den Patienten stabilisieren. Schwere Seekrankheit kann gefährlich sein: Anhaltendes Erbrechen und die damit verbundene Dehydrierung und körperliche Schwächung können einen Betroffenen insbesondere unter schwierigen Bedingungen gefährden.
Der zweite Segler blieb zunächst an Bord. Während der Rettungshubschrauber zum Auftanken nach Rügen zurückflog, machte sich die „Notarius“ mit dem Patienten auf den Weg in den Hafen von Sassnitz. Notarzt und Notfallsanitäterin kümmerten sich während der Fahrt weiter um den Mann; die „Bad Bevensen“ nahm das Segelboot in Schlepp und zog es in Richtung Rügen.
Seekranker sicher im Hafen
Gegen 20.15 Uhr erreichte die „Notarius“ den Hafen. Dort übergaben die Seenotretter den stark seekranken Segler an den Landrettungsdienst. Anschließend übernahmen die Seenotretter auch den zweiten Segler und dessen Boot von der Besatzung der „Bad Bevensen“ und brachten beide in Sicherheit.
Für die einen Routine, für die Betroffenen eine Frage des Überlebens. Wie gut, dass es die Seenotretter gibt...




























