16/04/26

Sea Shepherd kritisiert Rettungsversuch für Buckelwal scharf

Die Tierschutzorganisation Sea Shepherd kritisiert die geplante Rettungsaktion für den geschwächten Buckelwal vor der Insel Poel ungewöhnlich deutlich. Kampagnenleiter Florian Stadler erklärte gegenüber dem NDR, es gebe offenbar keine belastbare wissenschaftliche Grundlage für das Vorhaben. Wörtlich bezeichnete er die Pläne als „höchstkritisch und problematisch“.
Sea Shepherd kritisiert Rettungsversuch für Buckelwal scharf

Update, Donnerstag 12 Uhr +++ 

Weder seien meeresbiologische noch tiermedizinische Institute in die Planung einbezogen worden, noch liege ein entsprechendes Gutachten vor, kritisierte Stadler. Die Entscheidung von Umweltminister Till Backhaus (SPD) markiert eine klare Abkehr von der bisherigen Bewertung. Ein Gutachten mehrerer Fachleute hatte zuvor dringend von Eingriffen abgeraten.

Darin wird der Zustand des Wals als äußerst kritisch beschrieben: Die Haut sei großflächig geschädigt und könne bereits bei Berührung aufplatzen. Der Einsatz von Gurten oder das Anheben des Tieres berge daher erhebliche Risiken – ebenso wie mögliche Verletzungen des Bewegungsapparates und ein massiver Stress für das Tier.

Bruch mit bisheriger Linie

Hinzu kommt: Ein Netz, das aus dem Maul des Wals ragt - der insgesamt vier Mal strandete - ist bislang nicht näher untersucht worden. Auch dieser Faktor erhöht die Unsicherheit über den tatsächlichen Zustand des Tieres. Der rettende Atlantik ist Hunderte Seemeilen entfernt.

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Trotz dieser Einwände hat Umweltminister Backhaus dem Rettungsversuch zugestimmt. Eine private Initiative will den Wal mithilfe von Luftkissen anheben, auf einer Plane zwischen Pontons stabilisieren und anschließend in die Nordsee transportieren. Die Behörden dulden und begleiten das Vorhaben nach eigenen Angaben, wollen aber die Einhaltung von Tier- und Umweltschutzauflagen überwachen. Zu den Initiatoren zählt unter anderem der Unternehmer und Millionär Walter Gunz.

Zentrale Experten nicht eingebunden

Auch das Deutsches Meeresmuseum in Stralsund wurde nach eigenen Angaben nicht in das neue Konzept einbezogen. Weder lag den Experten ein detaillierter Plan vor, noch waren sie an der Vorbereitung beteiligt. Museumsdirektor Burkard Baschek hatte bereits zuvor Zweifel an einer erfolgreichen Lebendbergung geäußert und auf den niedrigen Wasserstand sowie die geschwächte Verfassung des Wals hingewiesen. Eine neue Bewertung wurde bislang nicht vorgenommen.

Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat sich inzwischen von der Aktion distanziert.  "Wir unterstützen die Rettungsaktion nicht, denn nach allen uns vorliegenden Informationen ist dieser Wal krank und stark geschwächt", teilte eine Sprecherin auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa mit.

Derweil ist der erste Walretter der neuen Rettungsaktion vor Ort eingetroffen. es handelt sich um den Schriftsteller Sergio Bambarén, der eigens aus Teneriffa angereist ist, um die Rettung zu begleiten.

Der Autor wurde bekannt durch das Buch „Der träumende Delphin“.

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