22/02/26

Stefans Geschichte des Meeres: Eisbrecher vor Helsinki

Stefans neue Kolumne vom Meer spielt auf einem "Eisbrecher" vor Helsinki. Bei minus 25 Grad auf der flachen Ostsee mit einer Maske an Deck...
Stefans Kolumne des Meeres

Ich hatte mir für diese Reise, die wir „Eisbrecher“-Tour nennen, extra eine Sturmhaube zugelegt und sah wohl aus wie ein verfrorener Bankräuber oder Trumpscher ICE-Agent, als ich auf dem Hubschrauberdeck an der Reling stand. Bei gefühlten 25 Grad minus kriecht Ostwind durch die dickste Jacke. Der Bug der Fähre arbeitete sich durch eine Landschaft aus Eis, grau und weiß in vielen Nuancen. Es krachte und knirschte.

Eisbrecher vor Helsinki

Mit Eisklasse „1A Super“ kommt die „Finnstar“ durch eine meterdicke Schicht auf der Ostsee, doch es gab ein Problem, als das große Schiff aus Travemünde am Hafenkai von Helsinki festmachte: Meer fehlte, eine Menge sogar. Die Gangway, die rüberführt ins Passagierterminal, konnte wegen akuter Schräglage nicht ausgebracht werden – und für die Lenker der Laster und Reisebusse im Laderaum wurde die Fahrt vom Schiff zur kniffligen Hangpartie.

So niedrig wie momentan standen die Pegel der Ostsee noch nie, meldet das Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde. Seit 1866 wird auf einer Insel vor der schwedischen Küste gemessen; nur fünf Mal verzeichnete man in 140 Jahren ähnliche Werte, zuletzt 1980. 67 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel bedeuten Rekord.

Permanenter Ostwind

Grund für den Abfluss ist der permanente Ostwind, der wie ein gewaltiges Gebläse riesige Mengen Wasser aus der Ostsee in die Nordsee geschoben hat. Unglaubliche 275 Kubikkilometer wurden seit Anfang Januar weggedrückt, haben die Computer der Forscher ausgerechnet. Um sich das vorstellen zu können: Ganz Deutschland würde davon knapp 80 Zentimeter hoch bedeckt.

Klingt imposant und irgendwie auch dramatisch, könnte für die Badewanne Ostsee – ein Binnenmeer mit wenig Wasseraustausch – aber ein Segen werden. Die Experten des Leibniz-Instituts schreiben, dass sie schon bald mit einem starken Einfluss von salzigem, sauerstoffreichem Wasser aus der Nordsee rechnen. Was dringend benötigt wird.

Ostsee ist ein leidendes Meer

Weil die Bauern der Ostsee-Anrainerstaaten viel zu viel gedüngt haben, sorgen die Nährstoffe für Algenblüten, die dem Wasser Sauerstoff entziehen. Am Boden der Ostsee existieren „Todeszonen“, in denen kein Fisch überleben kann. Die Ostsee ist ein leidendes Meer.

Sobald das kalte Nordseewasser einströmt, sinkt es in die Tiefe, verbessert die Qualität und belebt das Ökosystem. Es aktiviert Bakterien, die dann abgestorbene Algen abbauen. Die Chancen für die Salzwasserinjektion in XXXL (die Wissenschaftler sprechen von einer Milliarde Tonnen Salz) stehen bei 80 bis 90 Prozent. Dafür muss nur der Wind endlich wieder drehen, von Osten auf Westen.

 

Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, leitet mit seiner Frau Julia den von ihnen gegründeten Ankerherz Verlag. Vorher war er Polizeireporter für die Chicago Tribune und arbeitete als Reporter für Zeitschriften wie max, Stern und GQ von Uganda bis Grönland. Gerade erschien sein neues Buch „North Star“.

ACHTUNG: Wer 2027 mitkommen möchte zur Eisbrecher Tour, findet HIER alle Informationen. Die nächste Seereise nach Helsinki ist die Niska-Tour, benannt nach dem legendären Schmuggler. Das Besondere: Wir übernachten in einem ehemaligen Gefängnis, in dem er auch inhaftiert war (heute ein Boutique-Hotel). Informationen dazu findet Ihr HIER.  

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