10/08/26

Touristen riskieren ihr Leben für Selfies am Beachy Head

Mächtige Kreidefelsen, eine spektakuläre Landschaft und weite Blicke auf die See: die Klippen am Beachy Head gehören zu den schönsten Orten an Englands Südküste. Doch immer wieder verwandeln Besucher die Kulisse in eine lebensgefährliche Bühne für Selfies. Nun schlägt der National Trust Alarm.
Beachy Head Birling Gap Klippen

Der Beachy Head ist einer jener Orte, an denen England fast wie aus einem Bilderbuch wirkt. Weiße Kreideklippen fallen steil in den Ärmelkanal ab, darüber ziehen sich grüne Wiesen bis an die Abbruchkante. Der Küstenabschnitt liegt in East Sussex zwischen Eastbourne und Seaford. Es sind sieben Klippen, "Seven Sisters" genannt.

Auch für Ankerherz hat dieser Ort eine besondere Bedeutung in den Büchern „Helden der See“ und "Unsinkable Sam". Wer die Geschichten kennt und einmal selbst an dieser Küste gestanden hat, versteht schnell, warum sie seit Jahrhunderten Stoff für Dramen, Rettungen und außergewöhnliche Schicksale liefert.

Gefährliche Schönheit am Beachy Head

Doch die Schönheit der Landschaft täuscht über ihre Gefährlichkeit hinweg. Die Kreideklippen der Seven Sisters sind ständig in Bewegung. Regen, Frost, Wind und die Brandung des Ärmelkanals greifen den vergleichsweise weichen Fels permanent an. Immer wieder brechen große Teile der Steilküste ab.

Der National Trust, der große Teile der Landschaft pflegt und betreut, warnt deshalb eindringlich davor, sich der Klippenkante zu nähern. Besucher sollen mindestens fünf Meter Abstand halten. Auch am Strand ist Vorsicht geboten: Wer unmittelbar unterhalb der Kreidewände entlanggeht, kann von herabstürzendem Gestein getroffen werden.

Warnungen werden ignoriert

Trotz dieser Warnungen sorgen Besucher am Beachy Head derzeit erneut für Kopfschütteln. Wie britische Medien berichten, klettern Touristen über Sicherheitsabsperrungen und stellen sich für Fotos und Selfies unmittelbar an die Abbruchkante. Auf Bildern sind Menschen zu sehen, die nur wenige Schritte – teilweise offenbar nur Zentimeter – vom Abgrund entfernt posieren oder sich über den Abgrund lehnen, um Selfies aufzunehmen. In einem Fall saß eine Familie an der Abbruchkante und ließ die Beine in die Tiefe baumeln.

Ein Fehltritt mehr als hundert Meter über dem Strand wird tödlich enden. Noch gefährlicher ist jedoch, dass sich die Stabilität der Kante von oben kaum beurteilen lässt. Eine Grasfläche kann vollkommen fest aussehen, während darunter bereits Teile des Kreidefelsens weggebrochen oder ausgehöhlt sind. Risse können sich im Untergrund bilden, bevor plötzlich große Stücke der Klippe ins Meer stürzen.

Lebensgefahr für ein Selfie

Erst Anfang dieses Jahres beschädigte ein Klippenabbruch eine Treppe hinunter zum Strand, an einer Stelle, die sich "Birling Gap" nennt. Neun Menschen und ein Hund saßen anschließend unterhalb der Klippen fest und mussten von Rettungskräften in Sicherheit gebracht werden. Solche Ereignisse sind an der englischen Kreideküste keine Ausnahme.

Dass Besucher Warnschilder und Absperrungen für ein spektakuläres Foto ignorieren, beschäftigt Rettungskräfte und Behörden an vielen britischen Küstenabschnitten seit Jahren. Wir wurden im Winter Zeugen, wie drei weibliche Touristen aus Asien im Sturm an der Abbruchkante Fotos aufnahmen. Lebensgefährlicher Leichtsinn für ein Selfie...

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