In Krisen geraten Seeleute immer wieder zwischen die Fronten. In der Straße von Hormus hat sich ihre Lage inzwischen dramatisch zugespitzt. Mindestens 6.000 Seeleute sitzen nach Angaben des UN-Menschenrechtsbüros auf rund 400 Schiffen in und um die Meerenge fest.
Sie konnten das Gebiet auch während einer zwischenzeitlichen Waffenruhe nicht verlassen. Die tatsächliche Zahl könnte noch höher liegen, da zahlreiche Menschen auf kleineren Schiffen im Persischen Golf bislang nicht erfasst wurden. Gute Nachricht für die Schiffe der deutschen Reederei Hapag-Lloyd: Sie konnten sich in Sicherheit bringen.
93 Seeleute von Reedern im Stich gelassen
UN-Menschenrechtschef Volker Türk spricht von einer „humanitären und menschenrechtlichen Krise“ und fordert sofortige Maßnahmen. Besonders erschütternd: Mindestens neun Schiffe mit insgesamt 93 Besatzungsmitgliedern wurden seit Beginn des Krieges offenbar von ihren Eigentümern aufgegeben.
Die Seeleute blieben ohne Unterstützung und ohne Möglichkeit zur Heimreise zurück. Teilweise seien ihnen sogar die ausstehenden Löhne nicht gezahlt worden. Nach Angaben der UN fehlt es auf einigen Schiffen an Lebensmitteln, Trinkwasser, Treibstoff, Strom, medizinischer Versorgung und Möglichkeiten, Kontakt zu den Familien aufzunehmen.
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Die monatelange Isolation, die Ungewissheit und die ständige Bedrohung durch Angriffe könnten schwere Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit der Besatzungen haben. Seit Beginn des Konflikts wurden nach UN-Angaben mindesten 17 Seeleute getötet. Zuletzt starben zwei indische Besatzungsmitglieder in der Straße von Hormus.
Mindestens 17 Tote seit Kriegsbeginn
Das UN-Menschenrechtsbüro erinnert daran, dass Angriffe auf zivile Schiffe unzulässig sind. Türk fordert die beteiligten Staaten, Reedereien und Konfliktparteien auf, sichere Fluchtwege zu schaffen, dringend benötigte Vorräte zu liefern und die Evakuierung sowie Heimreise der Seeleute zu ermöglichen.
Zugleich müssten Seeleute frei entscheiden können, ob sie auf Schiffen eingesetzt werden wollen, die durch ein Kriegsgebiet fahren. Wer einen solchen Einsatz ablehnt, dürfe weder unter Druck gesetzt noch von seinem Arbeitgeber bestraft werden. Auch in der Krise seien die Reedereien verpflichtet, die Rechte ihrer Besatzungen zu achten und vereinbarte Löhne weiterzuzahlen.



























