05/05/26

Deutsches Meeresmuseum hält Buckelwal für tot

Der im Grenzbereich der Nordsee freigelassene Buckelwal ist nach Einschätzung von Fachleuten „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ tot. Das teilte das Deutsches Meeresmuseum in Stralsund mit. Demnach sei davon auszugehen, dass das stark geschwächte Tier nicht mehr die Kraft habe, dauerhaft im tiefen Wasser zu schwimmen.
Buckelwal in der Ostsee Foto Greenpeace

Seit der Freilassung des Wals liegen nach Angaben des Museums keine unabhängig verifizierbaren Informationen mehr über dessen Aufenthaltsort oder Gesundheitszustand vor. Die letzte bestätigte Sichtung stammt vom vergangenen Samstag und wurde per Drohne dokumentiert. Seither gibt es von "Timmy", wie der Wal von manchen genannt wird, keine Information.

Forderung nach vollständiger Datenoffenlegung

Für die Bewertung des Falls sei es „essenziell“, dass die private Rettungsinitiative sämtliche Daten eines angeblich angebrachten Peilsenders offenlegt, so das Museum. Dazu gehörten insbesondere Roh- und Live-Daten sowie technische Angaben zum eingesetzten System.

Nur so könne eine unabhängige Überprüfung erfolgen - die letzten Endes auch eine Bewertung zulässt, ob die höchst umstrittene Rettungsaktion erfolgreich war. Fachleute verschiedener NGO wie Greenpeace (Foto) und Sea Shepherd, aber auch zahlreiche Experten von Insitutionen, Behörden und Walforscher hatten vergeblich appelliert, den Wal in Ruhe zu lassen.

Die Initiative hatte zuvor erklärt, weiterhin Signale des Senders zu empfangen. Dabei handle es sich jedoch nicht um Positionsdaten, sondern um sogenannte "Vitalwerte" des Tiers. Fachleute äußern daran Zweifel, da handelsübliche GPS-Tracker in der Regel keine solchen Daten erfassen. „Es gibt keinen handelsüblichen GPS-Sender, der Vitaldaten des Wals liefern kann – wer das behauptet, sagt nicht die Wahrheit“, sagte der dänische Meeresbiologe Peter Madsen von der Universität Aarhus.

Umweltminister widerspricht Einschätzung

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus distanzierte sich von der Einschätzung, der Wal sei wahrscheinlich tot. Er schließe sich dieser Bewertung derzeit nicht an und forderte zugleich die umgehende Vorlage der vereinbarten Daten durch die Initiative. Dies sei Teil der Vereinbarung gewesen, auf deren Basis die "Duldung" der Rettungsaktion erfolgt sei.

Das Ministerium erwarte insbesondere Informationen zum Peilsender sowie belastbare Hinweise zum Zustand des Tiers. Die offenen Fragen müssten zeitnah geklärt werden.

Initiative sieht Wal weiterhin am Leben

Die private Rettungsinitiative geht hingegen davon aus, dass der Wal noch lebt. Nach eigenen Angaben wurden am Dienstag mehrere Signale empfangen, die auftreten sollen, wenn sich das Tier nahe der Wasseroberfläche befindet. Ein funktionierendes GPS-Signal zur Positionsbestimmung liege jedoch weiterhin nicht vor. Details zum verwendeten Sender wurden bislang ebenfalls nicht veröffentlicht.

Die erhobenen Daten würden derzeit "von Fachleuten ausgewertet" und sollen anschließend dem Ministerium zur Verfügung gestellt werden, hieß es.

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