Jeder Auftritt von Albertus war ein Naturereignis, das in einer Art Sturm endete. Wenn der große, schwere Friese sein Akkordeon hob und Jacques Brels „Amsterdam“ anstimmte oder „Loch Lomond“, die inoffizielle schottische Nationalhymne, dann entwickelte dies eine enorme Wucht. Was als Wind begann, endete im Orkan und nicht wenigen Zuhörern standen am Ende Tränen in den Augen.
Großer Friese, großes Herz
Ich habe den Überblick verloren, auf wie vielen Reisen von Ankerherz er uns begleitet hat. Waren es zehn? 15? Auf der Nordsee zeigte er den Reisenden der „Inselstolz“-Tour (benannt nach dem Buch, dessen Titel er schmückt) sein Borkum. Auf dem Nordatlantik gründete er mit unseren Skua-Tour-Passagieren den „Black Sheep Shanty Choir“. So hieß das dunkle Bier der Färöer, das es in der Bordbar gab.
Der wunderbare Auftritt des Chors vor der tief verschneiten Kirche in Seyðisfjörður, dem Fjord mit der Feuerstelle im Osten Islands, gehört zu den Momenten, die unvergesslich bleiben. Viele hatten nie zuvor gesungen, doch es endet in Harmonie. Albertus schenkte uns so viele dieser besonderen Augenblicke.
Die Sturmfahrt nach Kopenhagen, als er bei Windstärke 11 das Akkordeon auspackte. Der heiße Sommerabend auf einer Flusskreuzfahrt, als wir an einem Stahlwerk vorbeikamen und über das Leben sprachen. Diese Nacht in der Haifisch Bar, als alles zusammenkam, was späte Stunden in Hamburg besonders macht.
Gerechtigkeit und Liebe für die Natur
Albertus war ein großer Mann mit einem großen Friesenherz. Er war der natürliche Mittelpunkt jeder Gruppe, die er mit seiner Energie zusammenband. Er war das Epizentrum, er, sein Akkordeon und die Lieder. Man verbrachte gerne Zeit mit ihm.

Foto: Ankerherz-Crew einer Skua-Tour nach Island: Ankerherz-Mitarbeiter Isa, Schauspieler Uwe Fellensiek, Stefan, Bertus, Kapitän Peter Burhorn
Zu Beginn der Corona-Zeit meldete er sich bei uns. Er könne nicht runter von der Insel Borkum, niemand komme auf die Insel rauf, alle hätten Angst. Er fühle sich mies und wolle deshalb Lieder spielen, um die Leute auf andere Gedanken zu bringen. Ob wir einverstanden seien, dies auf unseren Social-Media-Kanälen zu verbreiten? Und so sang Bertus im Watt und schenkte Hunderttausenden Hoffnung in einer düsteren Zeit.
Bertus war ein Mensch mit einem großen Sinn für Gerechtigkeit. Er engagierte sich auf der Insel für die SPD, schob Projekte zum Klimaschutz an und verachtete Rechtspopulismus, in jeder Form.
Albertus Akkermann lebte Borkum
Wir verlieren einen Freund. Borkum verliert seinen besten Botschafter. Mit welcher Begeisterung er Menschen das Weltwunder Wattenmeer nahebrachte: einzigartig. Seine Begeisterung für alles, was im Boden lebte, hatte beinahe etwas Kindliches. So war Bertus: immer gerade, nie verstellt. Er war so pur wie das Watt, in dem er sich zu Hause fühlte.

Wer seine Persönlichkeit verstehen möchte, sollte auch eine Episode kennen, die eine Schulklasse aus Duisburg-Marxloh mit ihm im Watt erlebte. Die Jungen der Gruppe benahmen sich daneben, waren frech und unverschämt, rauchten und spielten mit ihren Handys. Bertus ließ den Wortführer in einem Stück Treibsand einsinken und kündigte an, das Seil nur im Falle besseren Benehmens bereitzuhalten. Das war natürlich ein Scherz, doch es wirkte: Die Gruppe verhielt sich fortan respektvoll. Leg dich nicht mit einem riesigen Friesen an.
Bertus wird eine gewaltige Lücke hinterlassen. Es gibt Menschen, die fehlen einfach. Seine letzte Nachricht, die über WhatsApp kam, lautet:
„Ich habe heute meine letzte Reise angetreten. Laat jo neet unterkriegen! Farewell!“
Farewell, mein großer Friese. Wir werden dich sehr vermissen.


























