Der Tag hatte für die Familie als Angelausflug vor der Inselgruppe der Lofoten begonnen und war als schlimmster Alptraum geendet, den Eltern erleben können. Es war ein Freitagnachmittag im September 2025, als ein Notruf bei der „Redningsselskapet“ einging, der „Rettungsgesellschaft“, wie sich die Seenotretter in Norwegen nennen.
Ein Held der See
Ein kleines Fischerboot war im starken Gezeitenstrom zwischen den Inseln Flakstadøya und Vestvågøya gekentert. An Bord befanden sich neben dem Skipper vier Erwachsene und zwei Kinder. Sofort raste die Besatzung von Rettungsboot RS125 "Det Norske Veritas" los, zusammen mit anderen Einheiten und einem Hubschrauber.
RS125 war erst vor Kurzem wieder in den Einsatz zurückgekehrt, nachdem es in einer Sturmfahrt schwer beschädigt worden war. Damals hatten die Retter vergeblich um das Leben eines Fischers gekämpft. Ihr Fahrzeug musste fast ein Jahr in die Werft. So hart und gefährlich ist das Seegebiet vor Norwegens wilder arktischer Küste.
Drama vor den Lofoten
Als RS125 am Havaristen des Angelausflugs eintraf, bot sich ein dramatisches Bild: Das Boot trieb kieloben in den Wellen. Auf dem Rumpf harrten verzweifelte, frierende Überlebende aus. Ein kleines Mädchen aber fehlte!
Der Erste Offizier Adrian Willyson Brask, 36, ein Mann mit Wikingerbart, rasiertem Schädel und Tatoos, auch als Rettungstaucher ausgebildet, sprang in die kalte See. Er wollte im Wrack nach dem vermissten Kind suchen. Minuten vergingen. Doch Brask kam nicht wieder hoch.
Seinen Körper zogen die Kameraden schließlich aus dem Meer. Es gelang nicht, ihn wiederzubeleben. Brask hinterlässt eine Frau und eine kleine Tochter. Das Mädchen, nach dem er suchte, gab die See nicht wieder her.
Nun hat die Internationale Maritime Organisation (IMO) der Vereinten Nationen, die an der Themse in London sitzt, den verstorbenen Seenotretter mit der höchsten Auszeichnung für „Heldentum auf See“ geehrt. Aus knapp 50 Bewerbungen, die weltweit eingingen, entschied sich die Jury für den Norweger.
Eine große Ehre
„Er nahm wissentlich ein außergewöhnliches persönliches Risiko auf sich und brachte das größtmögliche Opfer. Sein Einsatz verkörpert die höchsten Tugenden des maritimen Such- und Rettungsdienstes“, schreibt IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez in der Begründung.
So viele Menschen riskieren ihr Leben, um andere zu helfen, auch an den deutschen Küsten. Für mich gibt es kein größeres menschliches Handeln als die Arbeit der Seenotretterinnen und Seenotretter. Die Auszeichnung der IMO ist eine Geste. Sie ist ein Trost für die Familie des verstorbenen Helden, aber auch eine Anerkennung für den Mut aller Retter.



























