Am Ufer des Clyde, dort wo Glasgows maritime Geschichte bis heute sichtbar ist, verändert sich ein vertrautes Bild. Zum ersten Mal seit rund 30 Jahren sind die Masten der legendären Glenlee abgebaut worden. Für einige Monate wird das stolze Großsegler-Profil neben dem Riverside Museum fehlen - aus gutem Grund.
Es geht um die Zukunft der Vergangenheit
Verantwortlich für die Arbeiten ist der Tall Ship Glenlee Trust, eine unabhängige Stiftung, die das Schiff betreut. Die Demontage der Masten markiert die zweite Phase einer umfassenden Restaurierung, finanziert durch eine Förderung in Höhe von 1,8 Millionen Pfund (umgerechnet knapp 2 Millionen Euro) des National Heritage Memorial Fund.
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Bereits im vergangenen Jahr wurde die erste Phase abgeschlossen. Sie konzentrierte sich auf den inneren Rumpf und umfangreiche Stahlbauarbeiten. Unsichtbar für Besucher, aber wichtig für die strukturelle Zukunft des Schiffs. Nun folgt der deutlich sichtbare Teil: das Rigg.
130 Jahre Seefahrtsgeschichte aus Stahl und Wind
Gebaut wurde die Glenlee vor 130 Jahren in der Bay Yard Werft von Anderson Rodger in Port Glasgow. Der stählerne Rumpf war für seine Zeit modern, die drei Masten – überwiegend aus Stahl, mit hölzernen Spitzen zur Gewichtsersparnis – ihr einziger Antrieb. In den ersten Jahrzehnten überquerte das Schiff die Weltmeere ausschließlich unter Segeln.
Später fuhr die Glenlee weitere Jahre als britisches Frachtschiff, bevor sie 1922 von der spanischen Marine übernommen wurde. Bis 1979 diente sie dort als Schulschiff. In dieser Zeit verschwanden die hölzernen Mastteile; ein vollständig neues Stahlrigg ersetzte die ursprüngliche Konstruktion.
Rettung vor Verfall
Als die Glenlee Anfang der 1990er-Jahre aufzugeben drohte, war von ihrer früheren Pracht wenig übrig. 1993 wurde sie vom damaligen Clyde Maritime Trust – dem heutigen Tall Ship Glenlee Trust – gerettet und zurück nach Glasgow geholt. Seither wurde sie immer wieder instand gehalten, doch das aktuelle Projekt ist die tiefgreifendste Restaurierung seit über drei Jahrzehnten.
Nach dem Abbau wurden zwei der drei Masten in eine Spezialwerkstatt gebracht. Dort untersuchen Fachleute Materialzustand und Tragfähigkeit bis ins Detail. Erst danach kehren die Masten an den Clyde zurück und werden wieder aufgerichtet.
Ein Anblick kehrt zurück
Wenn die Glenlee ihre Masten zurückerhält, wird sie nicht nur wieder vollständig sein. Sie wird auch weiterhin Besucher anziehen, Veranstaltungen beherbergen. Vor allem wird sie an jene Zeit erinnern, in der der Wind der wichtigste Motor des Welthandels war...


























